Freitag, 23.01.2026

Zukunft sichern: Jugend für das Bauhauptgewerbe motivieren

Fachkräftemangel im Bauhauptgewerbe

Die Bautätigkeit in der Schweiz bleibt hoch, doch im Bauhauptgewerbe fehlt qualifiziertes Personal, um die Arbeitsqualität sicherzustellen. Digitalisierung und optimierte Prozesse erhöhen die Anforderungen, vor allem auf Baustellen sind gut ausgebildete Fachkräfte schwer zu finden. Die Folge sind Verzögerungen, Fehler und teure Nacharbeiten. Besonders Bauführer:innen, Polierer:innen und Fachpersonal sind knapp – ein struktureller Fachkräftemangel. Um diesem zu begegnen, sind verschiedene Ansätze sinnvoll: mehr Quereinsteiger:innen auf Kaderstufe, verstärkte Weiterbildung von Maurer:innen und Strassenbauer:innen sowie gezielte Nachwuchsförderung, um Jugendliche für Bauberufe zu begeistern.

Jugendliche befragt

In seiner Masterarbeit an der FHNW untersuchte Ramon Toolaram (KIBAG Bauleistungen AG), wie Jugendliche die Attraktivität des Bauhauptgewerbes wahrnehmen. Er wollte wissen, welche spezifischen Faktoren die Attraktivität dieses Berufsfelds beeinflussen und wie die KIBAG das Image der Branche verbessern kann. Dazu führte er Interviews mit neun Jugendlichen (sechs Männer, drei Frauen, 16-17 Jahre). Vier befanden sich in einer Maurerlehre, fünf hatten das Bauhauptgewerbe verworfen. Gefragt wurde nach Wahrnehmung, Berufswahl, Arbeitsbedingungen und Karrierechancen.

Vorurteile und Wissenslücken

Erste Assoziationen waren «raue Baustelle», «Staub» und «kaum Frauen». Jugendliche, die den Beruf ablehnen, wissen wenig über Aufstiegsmöglichkeiten: «Man weiss, dass es Poliere gibt, aber nicht, was man dafür lernen muss.» Die Arbeitsbedingungen gelten wegen der körperlichen Belastung und der wenig flexiblen Arbeitszeiten im typischen ‚Baustellenrhythmus‘ als herausfordernd, Löhne und Perspektiven werden unterschätzt. Jugendliche betonen, dass es kaum Vorbilder gibt und sie vielfach damit konfrontiert werden, ob Frauen überhaupt körperlich mithalten können.

Lernende im ersten Lehrjahr zeichnen ein positiveres Bild: Bewegung im Freien, Teamgeist und vielfältige Projekte werden geschätzt. Konkrete Vorstellungen zu Karrierewegen fehlen jedoch. Deutlich wird auch der Einfluss des Umfelds: So werden Bau-Berufe teilweise als «zweitrangig» eingeschätzt und Schulen informieren nur wenig darüber. Weibliche Jugendliche hören noch immer: «Bau ist nichts für Mädchen» und ziehen diese Berufe daher gar nicht in Betracht.

ttraktivität steigern

Die Ergebnisse zeigen, wo die KIBAG ansetzen kann. Wichtig ist eine stärkere Präsenz an Schulen mit praxisnahen Berufsvorstellungen und mehr Schnuppertagen. Ergänzend sollten Informationen über Social Media geteilt werden, etwa mit kurzen Videoclips, Einblicken in Baustellenprojekte oder Erfolgsgeschichten von Lernenden auf Instagram oder TikTok. So lassen sich Jugendliche direkt in ihrer Lebenswelt erreichen.

Zudem braucht es gezielte Ansprache von Mädchen und klare Informationen über Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Aspekte, die Jugendlichen besonders wichtig sind. Auch die Ausbildung selbst kann attraktiver gestaltet werden: Eine Patin oder ein Pate zu Beginn der Lehre erleichtert den Einstieg und beugt Abbrüchen vor. Dies hilft insbesondere Frauen sich im männerdominierten Umfeld zu orientieren.

Da frühe Arbeitszeiten oft als unattraktiv gelten, könnten flexiblere Modelle wie eine 4-Tage-Woche oder angepasste Schichtsysteme getestet werden, um die Vereinbarkeit mit anderen Lebensbereichen zu verbessern.

KIBAG kann etwas bewirken

Durch gezielte Kombination aus Schulmarketing, digitaler Präsenz, klaren Karrierewegen, besserer Ausbildung und flexibleren Arbeitsbedingungen kann die KIBAG wesentlich zur Fachkräftesicherung beitragen. Unterstützung durch Verbände und Bildungsinstitutionen hilft, Jugendliche früh zu erreichen und Vorurteile abzubauen. Offenheit, Diversität und Transparenz sind entscheidend, damit sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Bauhauptgewerbe begeistern.

Autoren

Ramon Toolaram ist Kalkulator und Stv. Geschäftsführer KIBAG Bauleistungen AG Oftringen und erfolgreicher Absolvent des Masters of Business Administration (MBA) ab der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW).

Prof. Dr. Anne Jansen ist Dozentin für Human Resource Management (HRM) am Institut für Personalmanagement und Organisation (PMO) an der Fachhochschule Nordwestschweiz und unterrichtet u.a. im Master of Business Administration (MBA).