Drei Kandidaten für das SBV-Präsidium

An der diesjährigen Mitgliederversammlung des SBV wird der neue Zentralpräsident gewählt. Drei Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge von Gian-Luca Lardi, der seit 2015 an der Spitze des Verbandes stand und sein Amt auf Ende Jahr abgibt. Die SBW stellte Martin Keller, Christian Wasserfallen und Manfred Schmid drei gleiche Fragen zu den grössten Herausforderungen der Baubranche und wie diese zu lösen sind.

Martin Keller

Was sind aus Ihrer Sicht die drei grössten Herausforderungen der Branche?

Die drei grössten Herausforderungen sind für mich der Fachkräftemangel, die Bauverzögerungen und die ungleichen langen Spiesse innerhalb der Baubranche.

Wie wollen Sie diese angehen? Welche Lösungen sehen Sie?

Sicherung Nachwuchs: Es wird für unsere Mitglieder immer schwieriger, junge Menschen für unsere tollen Berufe zu begeistern. Die Aus- und Weiterbildung im Bauhauptgewerbe ist deshalb weiter zu stärken und der Quereinstieg zu fördern. Ausserdem müssen die Arbeitsbedingungen etwas dem Zeitgeist angepasst werden. Die Mitarbeiter sind das Kapital unserer Firmen und sie wollen sich wertgeschätzt fühlen. Schnellere Bewilligungen: Immer häufiger führen Einsprachen und bürokratische Hürden zu Verzögerungen in Bauprojekten. Wir müssen vermehrt ein Bewusstsein für die Bedeutung effizienter Genehmigungsprozesse schaffen und uns aktiv für gesetzliche Änderungen einsetzen, die die Planungs- und Genehmigungsprozesse beschleunigen – und das auf allen politischen Ebenen. Gleich lange Spiesse: Fairness ist, wenn alle, die im Bauhauptgewerbe ihre Dienstleistungen anbieten, die gleichen Voraussetzungen haben. Lohndumping, illegale Beschäftigungen und Konkursreiterei sind zu bekämpfen. Hierzu muss umfassend aufgeklärt werden und die Konsequenzen müssen bekannt sein.

Was ist Ihnen in der Verbandsarbeit besonders wichtig?

Bottom-up vor Top-down: Die Schweiz lebt vom Föderalismus, das darf auch beim SBV so sein. Entscheidungen sollen nicht nur von oben nach unten getroffen werden. Denn: Wer an der Basis arbeitet, kennt die Bedürfnisse der Branche am besten. Selbstbewussteres Auftreten: Das Bauhauptgewerbe leistet nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität der Schweiz, sondern ist auch entscheidend für die soziale Infrastruktur und die regionale Wertschöpfung. Wir dürfen stolz sein auf unsere Leistungen und müssen diese aktiver nach aussen tragen. So bekommen wir die Anerkennung, die wir verdienen. Dialog statt Konfrontation: Sozialpartnerschaft funktioniert nur, wenn ein stabiler Dialog gepflegt wird – einer, der auf Sachlichkeit, gegenseitigem Respekt und vor allem Weitsicht basiert. Regelmässige Gespräche werden helfen, Missverständnisse auszuräumen und gemeinsame Lösungen zu finden.

Christian Wasserfallen

Was sind aus Ihrer Sicht die drei grössten Herausforderungen der Branche?

Bauprojekte zu fairen Preisen ermöglichen: Die Realisierung von ausreichendem Wohnraum und Infrastrukturen stockt. Verschiedene Rahmenbedingungen und Einsprachen verhindern gezielte Investitionen. Leistungsfähige Infrastrukturen sind unabdingbar für die Zukunft. Genügend Fachkräfte für die Branche sichern und ausbilden. Digitale Transformation als Chance: Dabei geht es nicht nur um Digitalisierung an sich, sondern um echte Produktivitätsgewinne in der Branche und Qualität, statt zusätzlicher Aufwände ohne Nutzen.

Wie wollen Sie diese angehen? Welche Lösungen sehen Sie?

In der Raumplanung braucht es mehr Möglichkeiten für Einzonungen. Der Denkmalschutz (Stichwort ISOS) ist auf seinen Kerngehalt zu reduzieren und missbräuchliche Einsprachen sind zu eliminieren. Der neue LMV ist stetig auf seine Wirksamkeit zu prüfen. Infrastrukturprojekte im Rahmen der Vorlage «Verkehr ‘45» müssen in allen Regionen rasch realisiert werden. Beim Zuschlag sollen jene Projekte berücksichtigt werden, die das vorteilhafteste Angebot und nicht den billigsten Preis offerieren. Im Fachkräftebereich benötigen wir ein starkes Berufsmarketing, wie die Plattform bauberufe.ch, den aktiven Einbezug z.B. von Eltern und Lehrpersonen sowie moderne und attraktive Berufsbilder, die u.a. Quereinsteiger anziehen. Neue Instrumente wie BIM sind nur dann wirksam, wenn klare Regeln und Normen für alle Beteiligten gelten – von Bauherren über Planer bis hin zu Ingenieuren und Unternehmern. Lösungen messe ich daran, ob sie KMU-tauglich sind.

Was ist Ihnen in der Verbandsarbeit besonders wichtig?

In der Verbandsarbeit sind Geschlossenheit und der Rückhalt in allen Regionen entscheidend. Der SBV schafft einen Mehrwert für seine Mitglieder und tritt als gewichtiger Opinionleader auf – gut vernetzt auf Bundesebene mit Dachverbänden, Parlament und Verwaltung. Mein Leistungsausweis als Präsident von Infra Suisse und die vertieften Branchen- und Dossierkenntnisse bilden dafür eine solide Grundlage. Die Bundeshausmechanik verstehe ich und diese will ich für unsere Interessen auf Basis fundierter Positionen einsetzen.

Manfred Schmid

Was sind aus Ihrer Sicht die drei grössten Herausforderungen der Branche?

Der Zusammenhalt im Verband ist eine der grössten Herausforderungen. Die Schweiz ist föderal geprägt, jede Region hat eigene Bedürfnisse, und trotzdem muss der SBV geschlossen auftreten. Die Rahmenbedingungen und die zunehmende Regulierung setzen die Branche unter Druck. «Netto Null 2050» verlangt hohe Investitionen, besonders für KMU, und zusätzliche Auflagen erschweren die Praxis. Eine weitere Herausforderung ist die Ausbildung. Der Masterplan 2030 gibt die Richtung vor, doch die Suche nach Lernenden bleibt anspruchsvoll.

Wie wollen Sie diese angehen? Welche Lösungen sehen Sie?

Der Zusammenhalt lässt sich stärken, wenn die Regionen ernst genommen und einbezogen werden. Als jemand aus einem zweisprachigen Kanton kenne ich die Sensibilitäten der Sprachregionen und sehe mich als Brückenbauer. Ich will präsent sein und in Zürich Führungsverantwort übernehmen. Die Rahmenbedingungen können wir nur beeinflussen, wenn wir uns politisch einbringen. Die SUVA ist ein Beispiel: Unsere Vertreter in den SUVA‑Gremien müssen kritisch auftreten. Bei einem Solvenzquotienten von 190 % weit über dem gesetzlichen Minimum stellt sich die Frage, ob die Branche zu viel bezahlt. Rückvergütungen und Anpassungen müssen geprüft werden. Die Ausbildung bleibt zentral. Mittel von 1.6 Mio. sind gesprochen, die Ausbildungszentren leisten gute Arbeit und müssen weiter gestärkt werden, damit die Ausbildung modern und praxisnah bleibt.

Was ist Ihnen in der Verbandsarbeit besonders wichtig?

Transparenz gegenüber Sektionen und Mitgliedern ist für mich zentral, weil sie Vertrauen schafft. Delegierte sollen Unterlagen vollständig und rechtzeitig erhalten, damit genügend Zeit bleibt, komplexe Themen zu besprechen. Ich möchte als Präsident sichtbar bleiben und Anliegen direkt vor Ort aufnehmen. Ohne bestehende Seilschaften kann ich unabhängig handeln. Der SBV soll klar als Unternehmerverband auftreten. Mit über 20 Milliarden Umsatz und 90 000 Arbeitnehmenden sind wir systemrelevant und müssen selbstbewusst auftreten. Die Gespräche während meiner Tour haben mir gezeigt, wie aktiv unser Verband ist und bestärken mich, diese Aufgabe anzunehmen.