Die Arbeit der PK-UT beginnt dort, wo die meisten nicht hinschauen: tief unter der Erde. Dominique Brandenberger und ihr Team sorgen dafür, dass Arbeitsbedingungen stimmen und Vorschriften eingehalten werden.
Der Untertagbau zählt zu den anspruchsvollsten Bereichen der Bauwirtschaft. Unterschiedliche Arbeitsmodelle, komplexe Vertragsstrukturen und ein herausforderndes Umfeld verlangen nach klaren Regeln. Wichtig ist in einem solchen Spannungsfeld, dass die einheitlichen Standards des Landesmantelvertrags (LMV) konsequent umgesetzt werden. Für den Vollzug, das heisst Anwendung, Durchsetzung und Kontrolle, ist die Paritätische Berufskommission für den Untertagbau Schweiz (PK-UT) zuständig, die in der Öffentlichkeit weniger bekannt ist. Ihre Arbeit findet dort statt, wo die meisten nicht hinschauen – in Tunneln, Stollen und Kavernen. «Es stimmt, viele Leute wissen nicht, dass es uns gibt», sagt Dominique Brandenberger, seit fünf Jahren PK-UT-Geschäftsführerin, «aber unsere Arbeit sorgt dafür, dass im Untertagbau Fairness nicht verhandelbar ist.»
Löhne und Arbeitszeiten
Die Kommission ist paritätisch organisiert, das heisst, je drei Arbeitgeber und Arbeitnehmer sitzen gleichberechtigt am Tisch. Die Hauptaufgaben der PK-UT ist es, sicherzustellen, dass die Bestimmungen des (LMV) eingehalten werden, insbesondere die Untertagvereinbarung der Anhang 10. Dazu zählen zum Beispiel Löhne, Arbeitszeiten und Spesen. Dies beginnt mit den Meldungen der Baustelle. Brandenberger und ihr dreiköpfiges Team sorgen dafür, dass für alle Unternehmen im Untertagbau in der ganzen Schweiz faire Arbeitsbedingungen herrschen, und sollte dies nicht der Fall sein, beratend und korrigierend eingreift. Durch die Allgemeinverbindlichkeit des LMV gilt dies auch für nicht dem Schweizerischen Baumeisterverband angeschlossene und ausländische Unternehmungen, die am Untertagbau beteiligt sind, sowie beigezogene Subunternehmer und Temporärfirmen.
Geschätzte Zusammenarbeit
Das PK-UT-Team kontrolliert pro Jahr ungefähr 40 Baustellen vor Ort (70 weitere administrativ im Büro), indem sie diese auf Voranmeldung hin besuchen. «Wenn wir auf eine Baustelle gehen, schauen wir uns alles an», sagt Brandenberger, «Stundenrapporte, Lohnabrechnungen, Einsatzzeiten, Arbeitsverträge bei Endsandten und vieles mehr.» Was geschieht, wenn Unregelmässigkeiten wie zum Beispiel systematisch falsch erfasste Arbeitszeiten festgestellt werden? «Dann greifen wir als Kommission ein, das reicht von Nachzahlungen bis zu Sanktionen. Aber in den meisten Fällen laufen unsere Kontrollen problemlos ab und werden geschätzt.» Unklarheiten können in der Regel ausgeräumt werden, indem alle Beteiligten nach einer gemeinsamen Lösung suchen. Dies ist einer der Punkte, die Dominique Brandenberger immer wieder an ihrem Beruf fasziniert. Wie Parteien mit gegensätzlichen Interessen wie Arbeitgeber und Arbeitnehmernehmer zusammenarbeiten und schliesslich zu konstruktiven Lösungen gelangen.
Neuregelung
2026 ist für die PK-UT ein Jahr des Umbruchs, denn mit der überarbeiteten Untertagbauvereinbarung zum LMV, Anhang 10, wurden die Arbeitsbedingungen im Untertagbau grundlegend modernisiert und attraktiver gestaltet. Die bisherigen Zuschläge werden in den nächsten vier Jahren sukzessive erhöht. Die Neuerungen umfassen unter anderem die Ausweitung der Zuschläge auf Personal im Übertagbereich (Werkstatt, Logistik), die Einführung einer Schichtzulage sowie verbesserte Standards für Unterkünfte mit Einzelzimmern ab 2028. Brandenberger: «Mit den neuen Regelungen ist es gelungen, eine zukunftsfähige und wirtschaftlich tragfähige Grundlage für attraktive Rahmenbedingungen für das Personal zu schaffen und gleichzeitig die Position der im Untertagbau tätigen Schweizer Baufirmen zu stärken.» Die stufenweise Umsetzung in den nächsten vier Jahren stellt sicher, dass die Branche durch faire Entlöhnung und zeitgemässe Rahmenbedingungen auch künftig qualifizierte Fachkräfte gewinnen und langfristig binden kann.