Die Frau, die den Bau neu denkt

Bianca Weber-Lewerenz, KI-Expertin der Bauwirtschaft, spricht über Digitalisierung und nachhaltiges Bauen

Sie spricht die Sprache der Poliere und die der Datenwissenschaftler. Als KI-Expertin für das Bauwesen zeigt Bianca Weber-Lewerenz am Tag der Bauwirtschaft, wie digitale Werkzeuge den Fachkräftemangel lindern und Nachhaltigkeitsziele erreichbar machen.

Bianca Weber-Lewerenz kennt beide Welten: Die Realität der Baustelle und die Logik der Algorithmen. Als eine junge Frau, die für ihre Maurerausbildung noch eine Sondergenehmigung benötigt, kennt sie die Baubranche von der Pike auf und ist heute als selbstständige Bauingenieurin eine gefragte Digitalisierungs- und KI-Expertin im Bauwesen. Sie gehört zur Generation von Fachleuten, die Technik nicht nur plant, sondern neu denkt. Denn für Weber-Lewerenz bedeutet Digitalisierung mehr als bloss Technik und Selbstzweck, sie ist für sie ein Befreiungsschlag für die Baubranche. 

Schon früh entwickelte sich bei ihr ein Interesse für digitale Prozesse, automatisierte Abläufe und die Frage, wie sich komplexe Bauprojekte effizienter bauen lassen. Wo vielerorts die Digitaldiskussion erst richtig in Gang kam, beschäftigte sich Bianca Weber-Lewerenz bereits mit datengetriebenen Entscheidungsmodellen und dem Einsatz der KI zur Optimierung von Bauabläufen. «Technologie muss Probleme lösen – nicht neue schaffen», lautet einer ihrer Leitsätze. Bianca Weber-Lewerenz ist überzeugt, dass die Bauwirtschaft einem Strukturwandel gegenübersteht: Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Kostendruck zwingen zu neuen Lösungsansätzen. Dabei sind digitale Werkzeuge und Künstliche Intelligenz entscheidenden Wettbewerbsfaktoren. 

Vertrauen in die digitale Technik 

In ihrem Buch «Wertakzente in Bauwesen 4.0» beschreibt sie, welche tiefe Einschnitte die rasante technologische Entwicklung von KI bewirkt und wie Mensch, Gesellschaft und Umwelt betroffen sind. Dabei müsse sich, so Weber-Lewerenz, das Bauwesen als Branche mit hoher volkswirtschaftlicher Treibkraft, besonders damit auseinandersetzen, wie sie die Nachhaltigkeitsziele erreichen wolle. Ob der Baubranche dies gelingt, hängt gemäss Bianca Weber-Lewerenz davon ab, dass Potenziale richtig erkannt und genutzt sowie Risiken definiert und Folgen abgeschätzt werden. Sie ist überzeugt, dass Technologien mutig, sowie sinnvoll entwickelt und eingesetzt werden müssen: «Die digitalen Technologien und KI sollen Menschen in ihrer Arbeit sicherer und effizienter machen und sie unterstützen. Nur wenn die Vorteile und Chancen erkannt werden, kann der Mensch Vertrauen zu diesen Techniken fassen», schreibt sie in ihrem Buch. 

KBOB setzt Standards für öffentliche Bauten

Sie steht selten im Rampenlicht, doch keine öffentliche Baustelle funktioniert ohne sie: Die KBOB koordiniert die Interessen von Bund, Kantonen und Gemeinden. Die Vereinigung der öffentlichen Bauherren der Schweiz ist Ehrengast am diesjährigen Tag der Bauwirtschaft des SBV. 

Wer in der Schweiz öffentliche Bauten plant, realisiert und betreibt, kommt um sie nicht herum: die Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren KBOB, der Vereinigung der öffentlichen Bauherren der Schweiz. Sie ist kein Amt und keine Behörde, sondern bündelt als strategisches Organ die Interessen der grossen öffentlichen Bauherren – vom Bund über die Kantone bis zu den Gemeinden. Ihr gehören unter anderem das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), Armasuisse Immobilien, das Bundesamt für Verkehr (BAV) und das Bundesamt für Strassen (Astra) an. «Das Ziel der KBOB ist, das öffentliche Bauen effizienter, konsistenter und zukunftsfähiger zu machen», erklärt Pierre Broye, Vorsitzen der KBOB und Direktor des Bundesamtes für Bauten und Logistik BBL. «Statt dass jeder öffentliche Bauherr Lösungen für sich selber sucht, finden wir gemeinsam die richtigen Grundlagen.»

Koordinieren und vermitteln

Die KBOB sorgt dafür, dass die «Spielregeln» beim Bauen überall nach ähnlichen Logiken funktionieren, indem sie Standards und Empfehlungen erlässt. «So schaffen wir Transparenz für die öffentlichen Bauherren und gleichzeitig Planungssicherheit für Planer, Ingenieure und Baufirmen», ist Broye überzeugt. Einige der strategischen Schwerpunkte der KBOB sind die Beschaffung, digitales Bauen/BIM, das Normenwesen und die Zusammenarbeit mit Dritten. Gut sichtbar ist der Einfluss der KBOB beispielsweise beim Thema Nachhaltigkeit. Denn bevor Klimaziele sich zu einem politischen Pflichtprogramm entwickelten, beschäftigte sich die KBOB mit Lebenszykluskosten, Energieeffizienz und Ressourcenschonung. Heute erweitert sich dieser Fokus um Fragen der Kreislaufwirtschaft, der CO₂-Bilanz und der digitalen Planung. Die KBOB denkt Bauten nicht als Projekte, sondern als langfristige Investitionen der öffentlichen Hand. Diese Grundlagen finden ihren Niederschlag oft in Ausschreibungen und Verträgen. «Wir koordinieren, vermitteln und standardisieren. Das ist die Stärke der KBOB: Damit schaffen wir Verlässlichkeit in einem immer komplexeren Markt und sorgen dafür, dass öffentliches Bauen wirtschaftlich und nachhaltig erfolgt», erläutert Broye, der am Tag der Bauwirtschaft über die Zusammenarbeit auf dem Bau referiert.

Die KBOB

Die KBOB wurde 1968 als Koordinationsgremium der Bauorgane des Bundes gegründet, vor allem für Fragen des Submissionswesens, der Teuerungsabgeltung auf Bauleistungen und der Architekten- und Ingenieurhonorare. 1999 wurde das Gremium reorganisiert und wahrt seither die Interessen seiner Mitglieder als Bauherrin sowie Liegenschaftseigentümerin. Dabei vertritt sie diese Interessen gegenüber der Bauwirtschaft und ist zugleich ihr Ansprechpartner im Baubereich. Die Ziele, Aufgaben und Befugnisse der KBOB sowie ihre Organisation sind in der Verordnung über das Immobilienmanagement und die Logistik des Bundes, VILB, SR 172.010.21, Art. 25 f., geregelt. Mehr erfahren.

Tag der Bauwirtschaft 26. Juni 2026, Campus Sursee

Hier treffen sich Führungskräfte und Entscheidungsträger weit über die Baubranche hinaus. Jetzt anmelden!

Im Zeichen der Bauherrschaft

Am 26. Juni wird der Campus Sursee in Luzern zum Zentrum der Schweizer Baubranche. Unter dem Motto «Brennpunkt Bauherr» lädt der SBV mit dem Tag der Bauwirtschaft zum wichtigsten Netzwerkanlass des Jahres.

Am 26. Juni treffen sich im Campus Sursee die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus der gesamten Bauwirtschaft zum Austausch. Der Netzwerkanlass steht unter dem Motto «Brennpunkt Bauherr». Die Branche ist in vielen Bereichen gefordert. Sie muss sich diesen Herausforderungen stellen und diese anzugehen. Einige für die Zukunft entscheidende Fragen betreffen unter anderem das Zusammenwirken der Akteure: Wie lassen sich Prozesse vereinfachen? Welche Kooperationsformen versprechen Erfolg? Welche Verantwortung tragen Projektbeteiligte betreffend Nachhaltigkeit, Qualität und Arbeitssicherheit?

Der Tag der Bauwirtschaft bietet Gelegenheit, diese Zusammenarbeit vertieft zu diskutieren. In Referaten und Gesprächen zeigt der SBV auf, wie Prozesse vereinfacht, Kooperationen gestärkt und gemeinsame Ziele erreicht werden können. Durch das Tagesprogramm führt die Moderatorin und Kommunikationsexpertin Mascha Santschi Kallay. Der SBV konnte eine Reihe bekannter Expertinnen und Experten gewinnen. Bestätigt sind (in alphabetischer Reihenfolge):

Pierre Broye: Er ist der Vorsitzende der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren KBOB. Er leitet deren Vorstand und vertritt die Interessen der KBOB gegenüber anderen Institutionen und der Bauwirtschaft. Zudem amtet er als Direktor des Bundesamtes für Bauten und Logistik BBL.

Dr. Armin Hartmann: Der designierte Regierungspräsident Kanton Luzern 2026/27 ist seit 2023 Vorsteher des Bildungs- und Kulturdepartements des Kantons Luzern. Davor politisierte er 16 Jahre lang im Kantonsrat, die letzten drei Jahre als Fraktionspräsident der SVP. Mehrere Jahre präsidierte er den Hauseigentümerverband (HEV) Luzern und engagierte sich im Vorstand des HEV Schweiz. Der promovierte Volkswirt war von 2007 bis 2023 selbstständig tätig und Inhaber einer Beratungsfirma.

Philip Keil: Pilot, Autor und TV-Luftfahrtexperte. Was können Unternehmen von der Luftfahrt lernen? Philip Keil wird aus der Praxis über Führung und Entscheidungsfindung, Teamwork und Kommunikation, Umgang mit Veränderung sowie positive Fehlerkultur berichten. Er wurde mehrfach international ausgezeichnet und zählt zu den Top- 100-Rednern Europas.

Bianca Weber-Lewerenz: Sie ist Bauingenieurin und Digitalisierungs-/KI-Expertin im Bauwesen. Bianca Weber-Lewerenz ist die Frau an der Schnittstelle zwischen Bau, Künstlicher Intelligenz und Werten. Seit bald 20 Jahren ist sie im In- und Ausland für Grossprojekte tätig. Seit 2019 forscht und publiziert Weber-Lewerenz zum Thema «Verantwortungsvolle Digitalisierung im Bauwesen».

Andrea Wucher:  VRP Messepark Bern AG, Unternehmerin und Verwaltungsrätin diverser Organisationen, CEO und Gesellschafterin CONSIGA Schweiz, Ausbildungscoach HF Bauführung. Andrea Wucher ist bekannt für ihre vielseitige Karriere in verschiedenen Branchen, darunter Bau, Digital Signage und Metallbau. Als CEO der Weiss + Appetito Holding war sie eine der wenigen weiblichen Führungskräfte in der Baubranche. Heute ist sie in diversen Bereichen tätig, beispielsweise im Metallbau in Österreich, im Aluminium- und Stahlbereich in der Slowakei, in der Unternehmensberatung und hat mehrerer Verwaltungsratsmandate inne.

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