Die Produktivität der Schweizer Baubranche sinkt. Ein Blick auf europäische Vorreiterländer zeigt, wie integrierte Planung, Standardisierung und neue Bewilligungskulturen gegensteuern können.
Im europäischen Vergleich glänzt die niederländische Baubranche mit der höchsten Produktivitätsentwicklung. Österreich ist Schlusslicht. Die Schweizer Baubranche liegt im Mittelfeld, ihre Produktivität ist um 0,6 Prozent pro Jahr zwischen 2005 und 2023 gesunken. Eine Studie des Instituts für Wirtschaft aus Deutschland zeigt, was sie Spitzenreiter besser machen.
In Dänemark wird die Planung zunehmend durch interdisziplinäre Teams aus Architekten, Ingenieuren, Baumeistern und Lieferanten ersetzt. Diese integrierte Organisation reduziert Reibungsverluste zwischen Planung und Ausführung. Die Niederlande und Belgien investieren in langfristige Partnerschaften, um komplexe Vorhaben kooperativ umzusetzen und Probleme gemeinsam zu lösen. Projektallianzen, wie sie das SIA-Merkblatt 2065 und der Verein Pro-Allianz fördern, weisen für die Schweiz in die richtige Richtung.
Ein zentraler Hebel sind öffentliche Ausschreibungen, machen sie doch 40 Prozent des Branchenumsatzes aus. Belgien setzt verstärkt auf Gesamtleistungsmodelle, bei denen Planung und Ausführung aus einer Hand erfolgen und der gesamte Lebenszyklus eines Bauwerks berücksichtigt wird. Dies erhöht Kosten- und Umweltbewusstsein über die Nutzungsdauer.

Die Schweiz leidet unter über 130’000 Bauvorschriften auf kantonaler und kommunaler Ebene, wodurch fast jedes Projekt ein Einzelstück ist. In den Niederlanden, Dänemark und Grossbritannien ermöglichen einheitlichere Regeln hingegen die serielle Nutzung von Bauteilen und Konzepten, was Skaleneffekte und tiefere Kosten erlaubt.
Zudem verfolgen Länder wie die Niederlande, Dänemark und Irland eine zielorientierte Bewilligungskultur: Behörden akzeptieren alternative Lösungen, wenn die übergeordneten Ziele erreicht werden. Der Fokus liegt auf Wirkungszielen statt strikt auf dem «Stand der Technik». Der regelzentrierte Ansatz im deutschsprachigen Raum führt dagegen zu langsamen und komplexen Bewilligungsverfahren.