Nein zur Abschottung: Jetzt Wohnraum und Infrastruktur voranbringen

Der Schweizerische Baumeisterverband SBV begrüsst die Ablehnung der Nachhaltigkeitsinitiative der SVP. Beim Wohnungs- und Infrastrukturbau sowie bei der Umsetzung der Bilateralen III stehen nun wichtige Herausforderungen an, bei denen sich der SBV aktiv einbringen wird.

Der SBV begrüsst das Nein zu neuen Kontingenten, zusätzlicher Bürokratie und einem Angriff auf die Personenfreizügigkeit. Nun gilt es, die tatsächlichen Herausforderungen anzugehen: Die Schweiz braucht mehr bezahlbaren Wohnraum, eine leistungsfähige Infrastruktur und gute Arbeitsbedingungen. Dafür wird sich der SBV umso entschlossener einsetzen.

Baubranche bleibt auf genügend Fachkräfte angewiesen

Die Beschäftigten und Unternehmen der Baubranche leisten einen zentralen Beitrag zur Ausbildung von Lernenden sowie zur Aus- und Weiterbildung erfahrener Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter. Diese Anstrengungen müssen weiter verstärkt werden. Gleichzeitig bleibt die Branche angesichts des Fachkräftemangels auf Arbeitskräfte aus dem europäischen Ausland angewiesen.

Neue Kontingente und langwierige Bewilligungsverfahren hätten die bestehenden Engpässe zusätzlich verschärft. Zudem hätte die Verteilung begrenzter Kontingente Konflikte zwischen Branchen und Regionen ausgelöst. Gerade personalintensive Branchen wie das Baugewerbe wären Gefahr gelaufen, dabei das Nachsehen zu haben.

Wohnungsnot mit Bauen statt mit Abschottung bekämpfen

Das Nein zur Initiative löst die bestehenden Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt und bei der Infrastruktur nicht von selbst. In vielen Regionen fehlt bezahlbarer Wohnraum, während wichtige Verkehrsinfrastrukturen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen stossen. Gleichzeitig werden zahlreiche Bauprojekte durch langwierige Planungs- und Bewilligungsverfahren verzögert.

Aus Sicht der Baubranche braucht es deshalb bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und eine raschere Realisierung von Wohnbau- und Infrastrukturprojekten. Planungs- und Bewilligungsverfahren müssen vereinfacht, besser koordiniert und beschleunigt werden. Einsprachen müssen auf legitime Gründe und Betroffene beschränkt werden. Gleichzeitig braucht es verlässliche gesetzliche Grundlagen, Planungssicherheit und ausreichend verfügbares Bauland.

Bilaterale III müssen verlässliche Rahmenbedingungen sichern

Nach der Ablehnung der Initiative kommt den Bilateralen III eine zentrale Bedeutung zu. Für die Baubranche und die Gesamtwirtschaft sind stabile Beziehungen zur Europäischen Union, der Zugang zu Fachkräften sowie verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen entscheidend. Gleichzeitig muss die Schweiz ihre wirtschafts- und migrationspolitischen Interessen eigenständig wahren können.

Der parlamentarische Prozess um die Bilateralen III hat nun im Juni begonnen. Der SBV lobbyiert in diesem Ringen insbesondere mit Blick auf die sogenannte Schutzklausel. Der Bundesrat möchte die existierende Schutzklausel schärfen. Dazu hat er vier Kriterien beziehungsweise Schwellenwerte definiert. Wird ein Schwellenwert erreicht, ruft der Bundesrat die Schutzklausel aus. Die Kriterien beziehen sich auf einen jeweiligen starken Anstieg bei der Nettozuwanderung aus der EU (im Vergleich zum Vorjahr) bei den Grenzgängern, bei der Arbeitslosenquote und bei den Sozialhilfebezügern. Der SBV erachtet diese vier Kriterien als sinnvoll. Ihr Manko liegt jedoch darin, dass sie alle nur rückwärtsgerichtet sind. Sie stellen auf die Entwicklungen in der Vergangenheit ab. Wichtig wäre jedoch, auch ein zukunftsgerichtetes Kriterium aufzunehmen. Ein solcher Kriterium wäre eine Prognose der Zuwanderung in der nahen Zukunft, zum Beispiel in den nächsten ein oder drei Jahren. Würden die Prognosen eine zu hohe Nettozuwanderung signalisieren, wäre die Schutzklausel ebenfalls zu aktivieren. Daher wird sich der SBV im parlamentarischen Prozess für dieses Kriterium einsetzen.

SVP-Initiative: Inländerförderung und EU-Fachkräfte nötig

Beitragsbild zur SVP-Initiative für Inländerförderung und Fachkräfte in der Schweizer Bauwirtschaft

Trotz massiver Investitionen in Berufsbildung und Nachwuchsförderung bleibt das Bauhauptgewerbe auf qualifizierte Fachkräfte aus dem EU-Raum angewiesen. 

Die Bauwirtschaft investiert heute so stark in die Aus- und Weiterbildung wie selten zuvor. Trotzdem bleibt sie auch in Zukunft auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Genau deshalb empfiehlt der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) ein Nein zur sogenannten Nachhaltigkeitsinitiative der SVP, über die die Schweizer Stimmbevölkerung am 14. Juni 2026 abstimmt. 

Grosse Anstrengungen bei Aus- und Weiterbildung 

Das Bauhauptgewerbe hat die Herausforderungen im Bereich Fachkräftesicherung früh erkannt und reagiert. Mit dem Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» läuft seit mehreren Jahren eine umfassende Modernisierung der gesamten Aus- und Weiterbildung. Nach einer breit abgestützten Bedarfsanalyse mit allen wichtigen Akteuren der Branche werden die reformierten Bildungsangebote schrittweise eingeführt. 

Die Reformen tragen den veränderten Anforderungen auf dem Bau gezielt Rechnung. Digitalisierung, nachhaltiges Bauen, neue Bauprozesse sowie moderne Führungsaufgaben prägen den Berufsalltag zunehmend. Gleichzeitig werden die Ausbildungen praxisnäher, flexibler und individueller gestaltet. Eine zentrale Rolle spielt dabei das sogenannte «Workplace Learning»: Lernen direkt im Arbeitsumfeld. Die Branche ist überzeugt, dass praxisnahe Ausbildung und gezielte Begleitung nicht nur die Ausbildungsqualität verbessern, sondern auch die Betriebs- und Branchentreue langfristig stärken. 

Moderne Berufswerbung für eine neue Generation 

Parallel dazu hat das Bauhauptgewerbe seine Berufswerbung in den vergangenen Jahren stark modernisiert. Jugendliche sollen dort erreicht werden, wo sie sich täglich informieren und austauschen – auf Instagram, TikTok, YouTube oder Facebook. Die Kommunikation setzt bewusst auf authentische Einblicke statt auf Hochglanzwerbung. Lernende aus den jeweiligen Regionen treten als Botschafter auf und sprechen Schülerinnen und Schüler direkt an und das im vertrauten Dialekt und in Alltagssprache. Sie zeigen auf, wie modern Baustellen heute sind, welche sichtbaren Projekte entstehen und welche Karrierechancen der Bau bietet. Gleichzeitig wird deutlich gemacht, dass Berufe im Bauhauptgewerbe attraktive Löhne und langfristige Perspektiven bieten. 

Inländerförderung allein reicht nicht aus

Trotz grosser Investitionen in Aus- und Weiterbildung kann der künftige Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften nicht allein im Inland gedeckt werden. Die Bauwirtschaft bleibt deshalb auf Baustellenpersonal aus dem Ausland angewiesen. Dank der Personenfreizügigkeit mit der EU können Unternehmen fehlende Fachkräfte gezielt rekrutieren als notwendige Ergänzung zur Förderung der Berufsbildung in der Schweiz. 

Jetzt Nein auf den Stimmzettel schreiben 

Am 14. Juni 2026 entscheidet die Schweizer Stimmbevölkerung über die Nachhaltigkeitsinitiative der SVP. In vielen Regionen sind die Abstimmungsunterlagen bereits eingetroffen. Wer verhindern will, dass sich der Fachkräftemangel auf dem Bau weiter verschärft, sollte das Stimmkuvert frühzeitig öffnen und ein Nein auf den Stimmzettel schreiben. Denn jedes Nein trägt dazu bei, dem Bauhauptgewerbe auch künftig die dringend benötigten Fachkräfte aus dem Ausland zu sichern. 

SVP-Initiative: Demografischer Wandel verschärft Fachkräftemangel 

Beitragsbild zum Fachkräftemangel in der Schweizer Bauwirtschaft durch demografischen Wandel

Tausende erfahrene Bauarbeiter gehen in den kommenden Jahren in Frührente, während zu wenige Nachwuchskräfte nachrücken. Ohne qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland drohen Verzögerungen bei Wohnungsbau, Infrastruktur und Energiewende. 

Die Schweizer Bauwirtschaft steht vor einer langfristigen demografischen Herausforderung. In den kommenden Jahren werden überdurchschnittlich viele erfahrene Fachkräfte pensioniert, während gleichzeitig zu wenige junge Arbeitskräfte nachrücken. Besonders betroffen sind klassische Baustellenberufe wie Maurer, Vorarbeiter und Polier. 

Eine vom Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Auftrag gegebene Fachkräftestudie zeigt das Ausmass der Entwicklung deutlich: Bis 2040 könnten dem Bauhauptgewerbe rund 5600 Fachkräfte fehlen. Das entspricht etwa 16 Prozent des gesamten Fachkräftebedarfs. Anders gesagt: Jede sechste Stelle könnte künftig unbesetzt bleiben. 

Besonders grosse Lücken bei Schlüsselberufen 

Besonders alarmierend sind die Prognosen bei einzelnen Schlüsselberufen. Bereits bis 2030 könnten rund 21 Prozent der benötigten Maurer und 22 Prozent der Vorarbeiter fehlen. Bis 2040 verschärft sich die Situation weiter: Bei den Maurern steigt die prognostizierte Lücke auf rund 31 Prozent. 

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Einerseits tritt die Babyboomer-Generation schrittweise aus dem Arbeitsmarkt aus. Andererseits reicht die Zahl der Lernenden in den Bauberufen nicht aus, um die zahlreichen Pensionierungen ab 60 vollständig zu kompensieren. Auch verlassen nach wie vor viele ausgebildete Fachkräfte die Branche frühzeitig. 

Nachwuchsförderung allein genügt nicht 

Die Bauwirtschaft reagiert zwar mit umfangreichen Ausbildungs- und Bindungsmassnahmen auf diese Entwicklung. Doch selbst diese Gegenmassnahmen können den Mangel nur teilweise abfedern. Gemäss der SBV-Studie könnten entsprechende Massnahmen den Fachkräftemangel bei Maurern bis 2030 lediglich um rund 23 Prozent reduzieren. Vollständig lösen lässt sich das strukturelle Problem damit nicht. 
Der Fachkräftemangel betrifft dabei längst nicht mehr nur einzelne Unternehmen, sondern die gesamte Volkswirtschaft. Fehlen qualifizierte Arbeitskräfte, hat dies direkte Auswirkungen auf zahlreiche zentrale Projekte: Bauprojekte verzögern sich, Wohnraum entsteht langsamer, Infrastrukturprojekte verteuern sich, und die Energiewende kommt langsamer voran. 

Bauwirtschaft bleibt auf EU-Fachkräfte angewiesen 

Für den SBV ist deshalb klar, dass die Branche auch künftig auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein wird. Gerade die Personenfreizügigkeit mit der EU ermöglicht es den Unternehmen, demografisch bedingte Engpässe wenigstens teilweise auszugleichen. Wer die Zuwanderung stattdessen einschränken will und bei der SVP-Initiative vom 14. Juni 2026 kein Nein auf den Stimmzettel schreibt, verschärft letztlich den bestehenden Fachkräftemangel und schadet dem Bau und der Gesamtwirtschaft. 

SVP-Initiative: Personenfreizügigkeit bleibt für Bauhauptgewerbe unverzichtbar

Beitragsbild zur SVP-Initiative für Inländerförderung und Fachkräfte in der Schweizer Bauwirtschaft

Rund die Hälfte aller Beschäftigten im Schweizer Bauhauptgewerbe stammt aus dem Ausland. Ohne Personenfreizügigkeit würden Fachkräftemangel, Bürokratie und Rekrutierungsprobleme zunehmen.

Das Schweizer Bauhauptgewerbe ist seit Jahrzehnten stark auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Rund die Hälfte aller Beschäftigten stammt heute aus dem Ausland, und zwar überwiegend aus EU-/EFTA-Staaten. Die Personenfreizügigkeit bildet deshalb eine zentrale Grundlage für die Funktionsfähigkeit der Branche. Sie ermöglicht es den Bauunternehmen, qualifizierte Fachkräfte innerhalb Europas rasch, flexibel und ohne übermässigen administrativen Aufwand zu rekrutieren. Gerade in einer Branche mit starkem Fachkräftemangel und schwankender Projektlage ist diese Planbarkeit entscheidend. 

Internationale Belegschaften prägen das Bauhauptgewerbe 

Die Herkunft der Beschäftigten unterscheidet sich je nach Region und Sprachraum deutlich. In den grenznahen Kantonen und Sprachregionen ist der Anteil deutscher, französischer oder italienischer Arbeitskräfte naturgemäss besonders hoch. So variiert etwa der Anteil französischer Beschäftigter in der Romandie stark: Während er im Wallis oder in Freiburg nur im einstelligen Prozentbereich liegt, macht er in Genf rund ein Drittel der gesamten Belegschaft aus. Italienische Arbeitskräfte sind neben dem Tessin besonders häufig in Graubünden, dem Wallis sowie in den Kantonen Aargau, Solothurn und Zürich tätig. 

Wie stark das Bauhauptgewerbe auf internationale Arbeitskräfte angewiesen ist, zeigt beispielhaft das Wallis. Dort setzte sich die Belegschaft im Jahr 2024 wie folgt zusammen: Schweiz 35,9 Prozent, Portugal 32,7 Prozent, Italien 22,2 Prozent, Ex-Jugoslawien 4,2 Prozent, weitere Nationalitäten rund 5 Prozent. Wie die Nationalitätenverteilung in Ihrem Kanton aussieht, können Sie in der unten am Text verlinkten SBV-Datenbank mit kantonalen Statistiken selbst prüfen. Die Zahlen verdeutlichen für alle Regionen der Schweiz: Ohne ausländische Fachkräfte würden zahlreiche Baustellen schlicht nicht funktionieren. 

Kontingentsystem würde Bürokratie massiv erhöhen

Ein Wegfall der Personenfreizügigkeit und die Rückkehr zu einem Kontingentmodell hätten weitreichende Folgen, sowohl für die Unternehmen als auch für die Behörden. Wie aufwendig solche Verfahren sind, zeigt bereits heute die Regelung für Drittstaatenangehörige. Unternehmen müssen dabei unter anderem nachweisen, dass in der Schweiz keine geeignete Arbeitskraft verfügbar ist. Stelleninserate und Suchbemühungen müssen dokumentiert, Bewerbungsabsagen begründet und Arbeitsverträge eingereicht werden. Selbst wenn sämtliche Voraussetzungen erfüllt sind, besteht keine Garantie auf eine Bewilligung. 

Für das Bauhauptgewerbe hätte ein solches System erhebliche Konsequenzen. Die Branche ist auf flexible, rasche und planbare Rekrutierungsmöglichkeiten angewiesen. Lange Bewilligungsverfahren und zusätzliche Bürokratie würden Projekte verzögern und den bestehenden Fachkräftemangel weiter verschärfen.

Fachkräftemangel betrifft alle Berufsgruppen 

Die jüngsten Lohnerhebungen des SBV zeigen deutlich, wie wichtig ausländische Arbeitskräfte auf dem Bau sind. Der Ausländeranteil beträgt bei Polieren rund 25 Prozent und bei Vorarbeitern rund 50 Prozent, in einzelnen LMV-Lohnklassen liegt er sogar deutlich über 70 Prozent. Auch wenn der Ausländeranteil mit steigender Hierarchiestufe etwas sinkt, bleibt er selbst in Kaderpositionen bedeutend.  

Wer die Personenfreizügigkeit infrage stellt, gefährdet denn auch zahlreiche Baustellen, Infrastrukturprojekte und eingespielte Teams auf dem Bau. Ein Nein zur SVP-Initiative vom 14. Juni 2026 ist deshalb entscheidend für das Wohlergehen der Schweizer Bauwirtschaft.