Die Schweizer Bauwirtschaft sucht Antworten auf den Fachkräftemangel und die digitale Transformation. Mit der vom SBV unterstützten Plattform «MaurerPro» entsteht ein Ausbildungsansatz, der die Baustelle mit der virtuellen Lernwelt verbindet und damit ein traditionsreiches Handwerk neu ausrichtet.
Auf der Baustelle bleibt vieles beim Alten. Mörtel wird gemischt, Steine gesetzt, Wände hochgezogen. Das ist das Maurerhandwerk in seiner klassischen Form, und doch verändert sich der Beruf leise, aber nachhaltig. Die Transformation vollzieht sich unsichtbar, denn sie findet auf Bildschirmen, in Lernplattformen und in digitalen Modellen statt.
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist MaurerPro, eine digitale Lernumgebung für die Ausbildung von Maurerinnen und Maurern. Statt ausschliesslich auf Schulbücher und klassische Unterrichtsformen zu setzen, verbindet die Plattform digitale Inhalte mit der praktischen Arbeit auf der Baustelle. Lernende können sich theoretisches Wissen nicht nur anlesen, sondern in interaktiven Formaten erarbeiten und direkt auf ihre realen Arbeitssituationen übertragen.
Digitale Verbindung von Theorie und Praxis
«Das Zerlegen von Alltagssituationen in herkömmliche Fächer schwächt den Blick aufs Ganze», erklärt Hans Kocher, ein erfahrener Fachlehrer. «Im Mittelpunkt steht die Kompetenzentwicklung anhand digital erlebbarer, vielschichtiger Situationen.»
MaurerPro setzt genau an diesem Punkt an. Die Plattform hat Kocher zusammen mit Eduard Frei und Michael Scherrer entwickelt. Die drei orientierten sich am Bildungsplan, gingen aber in der Vermittlung einen anderen Weg. Inhalte werden nicht nur gelesen, sondern über interaktive Aufgaben, Audioformate und digitale Modelle erschlossen. Insbesondere der Einsatz von BIM-Technologien ermöglicht es, Bauprozesse vorab virtuell nachzuvollziehen.
Für Maurerinnen und Maurer bedeutet das vor allem einen Rollenwechsel. Sie lesen nicht einfach nur ihr Lehrmittel, sondern bewegen sich durch eine Lernumgebung, die stärker an realen Projekten ausgerichtet ist. «Lernende können sich Dinge anschauen, bevor sie diese auf der Baustelle machen», sagt SBV-Projekteiter Christoph Gerber. «In der Praxis hilft dies enorm, weil man so den Ablauf schon im Kopf hat.»
Bauberufe im Umbruch
Die Bauwirtschaft reagiert damit auf einen strukturellen Druck. Der Fachkräftemangel verschärft sich, gleichzeitig steigen die Anforderungen an Planung und Ausführung. Digitale Kompetenzen werden zunehmend zur Voraussetzung, auch in Berufen, die lange als rein handwerklich galten.
«Wir bilden heute nicht mehr nur für die Baustelle von gestern aus», betont SBV-Projekteiter Christoph Gerber. «Die Prozesse werden komplexer, und ohne digitale Werkzeuge lassen sie sich kaum noch bewältigen.»
Für die Betriebe bringt die Entwicklung Chancen. Digitale Plattformen können Ausbildungsprozesse strukturieren und transparenter machen. «Es braucht ein Umdenken», meint Gerber. «Aber wenn wir die jungen Leute erreichen wollen, müssen wir auch ihre Lerngewohnheiten berücksichtigen.»
MaurerPro steht damit exemplarisch für eine Branche im Übergang. Sicher ist: Die Ausbildung wird zum zentralen Schauplatz dieser Veränderung. Zwischen Kelle und Klick entscheidet sich, wie zukunftsfähig das Baugewerbe in der Schweiz sein wird.
MaurerPro Digitale Maurerausbildung
MaurerPro kennen lernen.