Strom statt Diesel – was drei Unternehmen durch elektrische Pilotprojekte gelernt haben 

Klimaschonendes Bauen klingt zunächst noch wie eine Wunschvorstellung, soll aber in den nächsten Jahren in der Schweiz zur Erreichung der Klimaziele Realität werden. Drei Städte testeten hierzu im Rahmen eines Forschungsprojekts die Möglichkeiten elektrischer Baumaschinen. Mit an Bord: drei Unternehmen, die Pionierarbeit leisteten. Projektbeteiligte der Firmen Amrein Bau AG, Marti AG Basel und Walo Bertschinger AG berichten über Herausforderungen und Überraschungen sowie über ihre Einschätzungen zur Zukunft des elektrischen Bauens. 

Dass mit einem Antriebswechsel hin zu elektrisch betriebenen Baumaschinen Schadstoffe durch Dieselmotoren wegfallen, ist nicht nur für die Klimabilanz vielversprechend. Auch die Gesundheitsbelastung der Arbeitenden nimmt dabei markant ab. Im Gegensatz dazu lässt sich hinsichtlich der erwarteten grossen Lärmreduktion nur teilweise eine Wirkung feststellen. Die Beteiligten bemerkten vor allem im Leerlauf und bei Durchfahrten einen Unterschied. Das Team der Marti AG in Basel berichtete als Auswirkung davon von einem leiseren und dadurch entspannteren Umgangston untereinander, der die Hektik im Arbeitsalltag spürbar reduzierte. Gleichzeitig tauchten aber auch unerwartete Nebeneffekte in den Pilotprojekten auf: Zum Beispiel können Walzen, die sich nahezu geräuschlos bewegen, zu einer zusätzlichen Gefahrenquelle werden. 

Beim Erfolgsrezept sind sich die drei Pioniere einig: Wer eine E-Baustelle umsetzen will, muss früh aufstehen. Je nach Maschine wurden längere Vorlaufzeiten benötigt, um sie bei Baubeginn vor Ort bereitzustellen. Auch die Stromversorgung will gut organisiert sein. Nicht nur die Zusammenarbeit mit Energiedienstleistern, sondern auch die Einrichtung der Ladeinfrastruktur benötigt Zeit. Bei der Amrein Bau AG wurde auf der Baustelle in Zürich jedoch schnell klar, dass der Arbeitsalltag wie gewohnt verläuft, sobald die Baustelle eingerichtet ist. 

Im Projekt in Luzern brachte das Team der Walo Bertschinger AG die Maschinen an ihre Leistungsgrenzen. Diese zeigten sich bei intensiver Arbeit über längere Zeit und bei grossen Maschinen. Die aktuell noch eingeschränkten Laufzeiten werden zwar als Hindernis gesehen, führten aber in keinem Projekt zu bösen Überraschungen. In allen Projekten wurden die Unternehmen von Vermietern und Herstellern transparent aufgeklärt und beraten, sodass sie ihre Arbeiten entsprechend planen konnten. Eine enge Zusammenarbeit war für die erfolgreiche Umsetzung aller Baustellen entscheidend. Kleinere Maschinen überzeugen bereits heute und können nach Aussagen aller Befragten schon für viele Bauprojekte eingesetzt werden.

Wenn die Wetterprognose 30 Grad oder mehr ankündigt, ist man auf der Baustelle froh um jeden Arbeitsschritt, der vor deheissen zweiten Nachmittagshälfte erledigt werden kann. Der SBV sieht in E-Baustellen eine Chance, besser auf den Klimawandel zu reagieren. Dank des deutlich geringeren Lärms könnten solche E-Baustellen ermöglichen, wieder früher – etwa ab 5 oder 6 Uhr – sowie auch über die Mittagszeit hinweg zu arbeiten, wie es einst üblich war.