Die Tunnelbau-Branche boomt. Die Auftragsbücher sind auf Jahre hinaus voll. Die Rückkehr zu einem alten Schichtsystem soll sicherstellen, dass künftig auch genügend Mineure bei den Schweizer Tunnelbauern anheuern.
Die Schweiz ist das Land der Tunnels. Kein Wunder, zählen die hiesigen Tunnelbauer zu den besten in Europa. In den letzten Jahren hat sich die Branche stark gewandelt und umfassend in die Industrialisierung investiert. Heute dominieren Automatisierung und strenge Sicherheitsanforderungen, entsprechend hoch sind die Qualifikationsanforderungen an die Mineure.
«Der Untertagbau ist Hightech-Arbeit geworden», erklärt Andreas Reber, Geschäftsführer Marti Tunnel AG. «Wir benötigen spezialisierte Fachkräfte mit technischem Verständnis. Deshalb investieren wir viel in die Ausbildung, mehr als je zuvor.» Gleichzeitig hätten sich die Arbeitsbedingungen deutlich verbessert. Auch finanziell sei der Beruf attraktiv: «Man verdient gut als Mineur im Tunnelbau.»
Internationale Konkurrenz verschärft die Lage
Bis zu 95 Prozent der Mineure stammen aus Österreich, Italien, Spanien, Kroatien oder Portugal. «Wir brauchen diese Fachkräfte für unsere vielen Projekte», meint Reber. Das könnte sich ändern, denn die Schweiz verliere an Attraktivität. Trotz besserer Löhne würden viele Mineure abwägen, ob sich ein Einsatz in der Schweiz für sie noch lohne. Denn in ihren Heimatländern sind ebenfalls grosse Tunnelprojekte geplant.
«Wir brauchen ein Schichtsystem, das den Bedürfnissen der ausländischen Mineure entgegenkommt. Sonst könnte unser Land nicht mehr erste Wahl sein», warnt Reber. Das heutige Schichtmodell gilt als wenig attraktiv. «Am Ende bleibt oft nur ein echter Tag zu Hause.» Deshalb arbeitet die Branche, zusammen mit dem Seco und den Gewerkschaften, an Schichtsystemen mit acht bis neun Tagen am Stück und dafür fünf bis sechs Tagen Freizeit. «Es braucht attraktive und sozialverträgliche Schichtsysteme mit genügend Zeit bei der Familie», ist Reber überzeugt. Für die Zukunft des Schweizer Tunnelbaus wird entscheidend sein, ob es gelingt, für die in der Schweiz ausgebildeten Fachkräfte attraktiv zu bleiben.