Innenverdichtung: Ungenütztes Potential

Mehr Wohnungen zu bauen bedeutet nicht, mehr Land zu beanspruchen. Das zeigen Berechnungen des Schweizerischen Baumeisterverbandes SBV und des Schweizer Radios und Fernsehens SRF.

Gemäss Berechnungen des SBV würde eine Erhöhung aller bestehenden Mehrfamilienhäuser in der Schweiz um ein Stockwerk744 000 neue Wohnungen ergeben. Natürlich stellt diese Zahl eine obere Grenze dar, weil rechtliche und technische Hindernisse wie die Statik des Gebäudes der Aufstockung in einigen Fällen im Wege stehen könnten. Aber die Berechnung beweist, wie gross das Potential ist. Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF ist der Frage nachgegangen, wie gross Schweizer Städte im Vergleich mit hoch verdichteten Citys wären. Das Ergebnis: Hätte Zürich die Bevölkerungsdichte von Genf, würde die gleiche Bevölkerung eine Fläche von 38.2 Prozent der gesamten Stadtfläche einnehmen, statt wie bisher 50 Prozent. Bei anderen Städten ist der Unterschied noch expliziter: Würde St. Gallen etwa die Bevölkerungsdichte von Genf aufweisen, würde die überbaute Stadtfläche bei gleicher Bevölkerungsgrösse noch 15,4 Prozent betragen. Noch grösser fallen die Unterschiede aus, wenn Schweizer Städte mit ausländischen verglichen werden. Bei der Bevölkerungsdichte von Paris, etwa, wären noch 9.6 Prozent der Stadtfläche von St. Gallen überbaut, mit der Dichte von Manhattan nur noch 7 Prozent.

In bloss 35 der 170 Schweizer Städte ist die Hälfte der Wohnungen jünger als 40 Jahre. Der Grossteil der Immobilien stammt also noch aus Zeiten, als die Arealflächen schlechter ausgenutzt wurden als heute. Hier ergibt sich ein grosses Potential für Verdichtung.

Der Wille, bezüglich Verdichtung vorwärtszumachen, ist aber nicht vorhanden. Netzwerk Standort Schweiz moniert, dass das neue Raumkonzept Schweiz 2050 ungenügende Antworten für die Innenentwicklung gibt. In einer Medienmitteilung von Netzwerk Standort Schweiz ist gar von einem Verdichtungsversagen die Rede. «Die Verdichtung als wesentlicher Teil der Innenentwicklung misslingt und ist alles andere als auf Kurs», spricht Remo Daguati, Präsident des Dachverbandes, Klartext. «Die Preise für Wohn- und Arbeitsflächen explodieren, wenn die Raumordnung nicht bald wirksamere Lösungsansätze erbringt», so sein Fazit.