Der Nahostkonflikt führt zu steigenden Baumaterial- und Energiepreisen und verteuert so das Bauen. Wie sollen die Risiken zwischen dem Bauherrn und dem -unternehmer aufgeteilt werden?
Es ist keine neue Situation: In den letzten sechs Jahren gab es bereits zwei Phasen, in denen das Bauen teurer wurde. Während der Coronakrise, als die Baustellen zugunsten der Schweizer Wirtschaft offenblieben, mussten die Verantwortlichen zugunsten der Gesundheit Vorkehrungen treffen, die kosteten. Als Folge des Ukrainekrieges verteuerte sich das Baumaterial. Nun führt der Nahostkonflikt zu einer zunehmenden Teuerung im Bausektor. Martin Munz, Präsident der Interessengemeinschaft privater professionellen Bauherren, einem Zusammenschluss von namhaften schweizweit und international tätigen Firmen, die im Bau- und Immobilienbereich richtungsweisend investieren und realisieren, sagt: «Wir von der IPB sind auf alle Unternehmer und Zulieferer aus der Baubranche angewiesen. Darum ist uns ein fairer Umgang mit ihnen wichtig», betont Munz und ergänzt: «Auch Bauherren müssen Verantwortung übernehmen.» Allerdings laute die Frage jeweils, wie und unter welchen preislichen Bedingungen ein Vertrag zustande gekommen sei. «Das muss individuell angeschaut werden, auch, ob es tatsächlich berechtigte Mehrkosten gibt», meint Munz. Ausserdem hätten die in IPB zusammengeschlossenen Firmen häufig auch Verträge mit Totalunternehmern, und deshalb wenig Einfluss und Kenntnis von deren Verträgen mit den Subunternehmern.
«Wir müssen jetzt schauen, wie sich die Weltlage entwickelt und welchen Einfluss das auf den Preis von Baumaterial hat», erläutert Munz, «klar ist, dass aussergewöhnliche Situationen es erfordern, dass sich die Akteure an einen Tisch setzen und gemeinsam Lösungen erarbeiten, mit denen alle leben können.»
Weitere Informationen zur Teuerung (exklusiv für SBV-Mitglieder)
Martin Munz
Martin Munz verantwortete seit 2016 bis zur Integration in die UBS den Bereich «Development & Construction» und war Geschäftsleitungsmitglied im Real Estate Asset Management der Credit Suisse. In dieser Funktion verantwortete er ein beachtliches jähliches Neubau- und Umbauvolumen und betreute mit seinem Team grosse Entwicklungsprojekte. Der gelernte Hochbauzeichner, Architekt und Wirtschaftsingenieur ist seit über 30 Jahren auf der institutionellen Bauherrenseite tätigSeit vielen Jahren engagiert sich Munz im Vorstand der IPB der Interessengemeinschaft privater professioneller Bauherren, die ein Immobilien-Anlagevolumen von 280 Milliarden repräsentiert. Seit 2025 ist er Präsident der IPB.