Freitag, 29.05.2026

SVP-Initiative: Demografischer Wandel verschärft Fachkräftemangel 

Tausende erfahrene Bauarbeiter gehen in den kommenden Jahren in Frührente, während zu wenige Nachwuchskräfte nachrücken. Ohne qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland drohen Verzögerungen bei Wohnungsbau, Infrastruktur und Energiewende. 

Die Schweizer Bauwirtschaft steht vor einer langfristigen demografischen Herausforderung. In den kommenden Jahren werden überdurchschnittlich viele erfahrene Fachkräfte pensioniert, während gleichzeitig zu wenige junge Arbeitskräfte nachrücken. Besonders betroffen sind klassische Baustellenberufe wie Maurer, Vorarbeiter und Polier. 

Eine vom Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) in Auftrag gegebene Fachkräftestudie zeigt das Ausmass der Entwicklung deutlich: Bis 2040 könnten dem Bauhauptgewerbe rund 5600 Fachkräfte fehlen. Das entspricht etwa 16 Prozent des gesamten Fachkräftebedarfs. Anders gesagt: Jede sechste Stelle könnte künftig unbesetzt bleiben. 

Besonders grosse Lücken bei Schlüsselberufen 

Besonders alarmierend sind die Prognosen bei einzelnen Schlüsselberufen. Bereits bis 2030 könnten rund 21 Prozent der benötigten Maurer und 22 Prozent der Vorarbeiter fehlen. Bis 2040 verschärft sich die Situation weiter: Bei den Maurern steigt die prognostizierte Lücke auf rund 31 Prozent. 

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Einerseits tritt die Babyboomer-Generation schrittweise aus dem Arbeitsmarkt aus. Andererseits reicht die Zahl der Lernenden in den Bauberufen nicht aus, um die zahlreichen Pensionierungen ab 60 vollständig zu kompensieren. Auch verlassen nach wie vor viele ausgebildete Fachkräfte die Branche frühzeitig. 

Nachwuchsförderung allein genügt nicht 

Die Bauwirtschaft reagiert zwar mit umfangreichen Ausbildungs- und Bindungsmassnahmen auf diese Entwicklung. Doch selbst diese Gegenmassnahmen können den Mangel nur teilweise abfedern. Gemäss der SBV-Studie könnten entsprechende Massnahmen den Fachkräftemangel bei Maurern bis 2030 lediglich um rund 23 Prozent reduzieren. Vollständig lösen lässt sich das strukturelle Problem damit nicht. 
Der Fachkräftemangel betrifft dabei längst nicht mehr nur einzelne Unternehmen, sondern die gesamte Volkswirtschaft. Fehlen qualifizierte Arbeitskräfte, hat dies direkte Auswirkungen auf zahlreiche zentrale Projekte: Bauprojekte verzögern sich, Wohnraum entsteht langsamer, Infrastrukturprojekte verteuern sich, und die Energiewende kommt langsamer voran. 

Bauwirtschaft bleibt auf EU-Fachkräfte angewiesen 

Für den SBV ist deshalb klar, dass die Branche auch künftig auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein wird. Gerade die Personenfreizügigkeit mit der EU ermöglicht es den Unternehmen, demografisch bedingte Engpässe wenigstens teilweise auszugleichen. Wer die Zuwanderung stattdessen einschränken will und bei der SVP-Initiative vom 14. Juni 2026 kein Nein auf den Stimmzettel schreibt, verschärft letztlich den bestehenden Fachkräftemangel und schadet dem Bau und der Gesamtwirtschaft.