Nachwuchsgewinnung: neuartige Ansätze für die Ausbildung
Neue Kompetenzprofile, innovative Lernmethoden und moderne Technologien verändern die Grundausbildung und Weiterbildung in der Baubranche. Lionel Arlettaz, Direktor der Baufachschule und des Ausbildungszentrums für Bauberufe im Kanton Waadt, erläutert, wie Bildungsanbieter, Arbeitgeber und Mitarbeitende diese Entwicklung gemeinsam gestalten.
Wie entwickeln sich die Anforderungen an die Ausbildung weiter?
Die Branche befindet sich im Umbruch und entsprechend auch die Anforderungen an die Ausbildung. Ausbildung bedeutet ja nicht mehr nur das Erlernen einer technischen Fertigkeit, sondern auch den Erwerb von Selbstständigkeit, die Beherrschung von Normen, den Umgang mit neuen Technologien und die Beachtung von Umweltaspekten.
Das als EFZ für «Maurer der Generation Z» gedachte Waadtländer Pilotprojekt veranschaulicht diese neue Realität gut: es geht darum, für junge Menschen attraktiver zu sein. Dies umfasst 10 Wochen Ferien im ersten Jahr, wobei diese Zahl im Laufe der Ausbildung sinkt, mehr Flexibilität sowie den Erwerb von theoretischem Wissen, unterstützt durch künstliche Intelligenz. Es geht darum, den Übergang von der Schule in die Berufswelt besser zu begleiten und dabei die hohen Anforderungen des Berufsstands aufrechtzuerhalten.
Was bedeutet das für die Bildungsanbieter?
Wir wollen unsere Methoden anpassen, ohne bei den Anforderungen Abstriche zu machen. Die Lernwege sollen übersichtlicher, motivierender und individueller zugeschnitten werden. Im Mittelpunkt werden bei Maurern und Maurerinnen auch in Zukunft die praktische Arbeit, der Umgang mit den Werkstoffen und das Erlernen der Handgriffe stehen – aber als Unterstützung hält die künstliche Intelligenz Einzug. All das mit dem Ziel, die jungen Menschen unter Bedingungen auszubilden, die der Realität auf der Baustelle nahekommen. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die Sicherheit gelegt.
Wodurch zeichnen sich Ihre Ausbildungszentren aus?
Unsere Ausbildungszentren in Echallens und Tolochenaz sind mit modernen Werkzeugen und einem Maschinenpark auf dem Stand der Technik ausgestattet. Wir stehen in engem Kontakt zu Unternehmen und Berufsverbänden. Auf dem Übungsgelände in Originalgrösse können wir Kurse und Prüfungen für Baumaschinenführer der Kategorien M1 bis M7 durchführen. Dadurch, dass auf dem Campus auch die anderen Bauberufe vertreten sind, hat sich im Lehrkörper ein enger Mannschaftsgeist entwickelt. Das ermöglicht Synergien, so wie auf Baustellen.
Unser Angebot reicht von der Grundausbildung über die Weiterbildung bis hin zu höheren Ausbildungen. Dies befördert die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ausbildungsgängen, aber auch zwischen Dienstleistern und Lieferanten. Hier haben wir in jeder Hinsicht eine Win-Win-Situation.
Was verbindet Ihre Ausbildungszentren mit dem SBV?
Der SBV ist ein wichtiger Partner, der sich für eine schweizweite Vision der Grundausbildung und höheren Ausbildung einsetzt. Dadurch können wir anerkannte und aufeinander abgestimmte Ausbildungsgänge anbieten – immer vor den realen Anforderungen im Kanton Waadt. Ausserdem übernehmen wir für SBV Region Romandie die administrative und logistische Abwicklung der Prüfungen der höheren Ausbildung für die Westschweiz. Somit ist die Baufachschule die erste Adresse für die Beratung von Kandidatinnen und Kandidaten, für Einreichung von Unterlagen, die Ausstellung von Fachausweisen und Diplomen sowie für die Unterstützung der Fachexperten bei den Prüfungen. Wir arbeiten also auf zahlreichen Ebenen Hand in Hand mit dem SBV.