Freitag, 14.11.2025

Holz war die Vision, Beton die Lösung

Der 100 Meter hohe Holz-Hybridbau in Winterthur wäre ein Meilenstein im nachhaltigen Hochhausbau geworden. Doch die Eigentümerin hat das Projekt überarbeitet: Aus Risiko- und Wirtschaftlichkeitsgründen setzt sie auf CO-reduzierten Beton – und verspricht dennoch höchste Umweltstandards.

Eines der grössten geplanten Projekte in Winterthur ist das Hochhaus Rocket im Stadtteil Lokstadt. Es wird mit einer Höhe von 100 Metern die Winterthurer Skyline prägen. Das Gebäude hätte als Holz-Hyprid-Bau erstellt werden sollen und wäre damit als eins der höchsten Holz-Hyprid-Wohnhäuser der Welt zu einem Exempel geworden, was beim Bauen mit Holz heute möglich ist. Daraus wird nichts, statt Holz kommt nun Stahl und Beton als bewährtes Baumaterial zum Einsatz. Zu diesem Entschluss kommt die Eigentümerin, die Immobiliengesellschaft Cham Swiss Properties AG. Sie hat das Projekt in den vergangenen Monaten in Abstimmung mit der Stadt Winterthur überarbeitet und in mehreren Punkten angepasst.

CO₂-äquivalente Alternative zum Holz-Hybrid-Bau

Die Cham Swiss Properties AG überprüfte im Rahmen der Projektverbesserung auch den Materialeinsatz. Und sie hat mit Holz-Hybrid-Bauten durchaus Erfahrung, hat sie doch Anfang 2025 ein 50-Meter-Hochhaus aus Holz auf ihrem Areal in Cham im Kanton Zug fertiggestellt. «Wir kennen die Vor- und Nachteile von Holz sehr gut und haben uns deshalb intensiv mit der Frage befasst, ob das Material auch in Winterthur beim Rocket-Hochhaus zum Einsatz kommen soll», wird CEO Thomas Aebischer in einer Medienmitteilung der Immobiliengesellschaft zitiert. «Schliesslich haben wir uns aus Risikoüberlegungen und wirtschaftlichen Gründen für eine andere Bauweise entschieden, die dank der rasanten Fortschritte in der Bau- und Materialtechnologie ebenso innovativ und nachhaltig ist.»

Gegen das Material Holz sprach zum Beispiel die lange Bauzeit von drei Jahren, in denen die entscheidenden Holzträgerelemente auf der Baustelle Wind und Wetter ausgesetzt wären und Holz und Wasser vertragen sich bekanntlich schlecht. Stahl und Beton ist für die Dimensionen eines Hochhauses einfacher verfügbar als Holz, was auch die Planung verbessert.

Heute stehen laut Aebischer CO₂-äquivalente Alternativen zum Holz-Hybridbau zur Verfügung, die vor allem bei Hochhäusern klare Vorteile bezüglich Wirtschaftlichkeit, Planbarkeit und Materialverfügbarkeit bieten. Der Nachhaltigkeitsanspruch des Projekts bleibt allerdings unverändert hoch: Dank optimierter Statik, effizientem Materialeinsatz und CO₂-reduziertem Beton wird das Gebäude einen ausgesprochen geringen ökologischen Fussabdruck aufweisen. Eine Zertifizierung nach dem anerkannten Standard SNBS Gold ist weiterhin vorgesehen. Der Baustart erfolgt Mitte 2027, die Einweihung ist für 2030 geplant.

Autor: Werner Schüepp