Ein neuer Bauberuf für neue Anforderungen
Zwischen Baustelle und Büro entsteht ein neues Verständnis von Zusammenarbeit. Die Branche begegnet den gewandelten Anforderungen mit einem neuen Berufsbild. Die «Projektfachfrau resp. der Projektfachmann Bau» vereint viele neue Kompetenzen.
Die Bauwirtschaft befindet sich im Wandel: steigende Komplexität, Digitalisierung und Fachkräftemangel verändern die Anforderungen grundlegend. Die Baustelle ist längst nicht mehr nur ein Ort der Ausführung, sondern ein vernetzter Arbeitsraum, in dem Koordination, Kommunikation und Datenmanagement an Bedeutung gewinnen. Projekte erfordern heute ein präzises Zusammenspiel verschiedenster Akteure.
Darauf reagiert das neue Berufsbild des Projektfachmanns bzw. der Projektfachfrau Bau. Es schafft eine verbindende Rolle zwischen Baustelle und Büro und bündelt technische, administrative und digitale Kompetenzen in einem klar definierten Profil. Diese Fachkräfte werden künftig Bauprozesse ganzheitlich von der Vorbereitung über die Ausführung bis zur Nachbearbeitung unterstützen. Sie sollen dafür sorgen, dass Informationen strukturiert fliessen und Abläufe effizient gesteuert werden. Damit werden der/die Projektfachmann/frau Bau einen entscheidenden Beitrag zur Entlastung der Bauführung und zur Sicherstellung der Projektqualität leisten.
Neue Wege zu neuen Kompetenzen
Im Zentrum steht ein erweitertes Kompetenzverständnis, denn Baustellen sind immer mehr datengetrieben. Neben fundierten bautechnischen Kenntnissen gewinnen digitale Werkzeuge, Datenaufbereitung und kommunikative Fähigkeiten an Gewicht. Wer Projekte erfolgreich umsetzen will, muss Zusammenhänge erkennen, Schnittstellen managen und Prozesse aktiv begleiten. Der neue Berufsabschluss soll dieser Realität Rechnung tragen.
Der Zugang zur Prüfung soll nicht nur klassischen Bauberufen offenstehen, sondern auch Fachkräften mit anderen beruflichen Hintergründen. Bedingung ist lediglich, dass sie über entsprechende Praxiserfahrung im Bauhauptgewerbe verfügen. Damit entstehen neue Entwicklungsperspektiven für engagierte Fachkräfte. Gleichzeitig wird die Rekrutierungsbasis für Baufirmen erweitert. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist dies ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Branche.
Hohe Zustimmung der Branche
Die Rückmeldungen aus dem Bauhauptgewerbe unterstreichen sowohl den Bedarf wie auch die Zustimmung zum neuen Berufsbild deutlich. Über 380 Unternehmen nahmen kürzlich an einer Sotomo-Umfrage teil. 82 Prozent beurteilten das vorgesehene Berufsbild und das Qualifikationsprofil als positiv oder eher positiv. Die breite Unterstützung zeigt, dass der neue Abschluss nicht theoretisch gedacht ist und auf hohe Akzeptanz stösst.
Die SBV-Delegiertenversammlung wird Ende Mai über die Einführung des neuen Bauberufs befinden. Die Grundlagen sind gelegt, die nächsten Schritte vorbereitet. Wenn alles läuft wie geplant, könnten die ersten Projektfachfrauen und -männer ihren eidgenössischen Fachausweis im Jahr 2029 erhalten. Ein klarer Ausblick auf eine Bauwirtschaft, die ihre Entwicklung aktiv gestaltet und damit die dringend benötigten Fachkräfte sichert.
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