Montag, 30.03.2026

Der Bauprofi und der Blues

Was macht ein Bauunternehmer am Feierabend? Bei Renato Rocchinotti von Rocchinotti Bau AG drehte sich dann häufig sehr viel um die Musik. Beruflich tritt er seit einigen Monaten kürzer, musikalisch hat er sich gerade auf neue Pfade begeben und zum ersten Mal ein Blues-Album veröffentlicht.

Als Bauunternehmer habe er immer die Devise gehabt, dass sich Qualität auszahle, erläutert Renato Rocchinotti in seiner Bar V8, die er teilweise auch für Konzerte nutzt. «Unser Unternehmen hat in der Regel immer in der Region rund um Zufikon, wo sich der Firmensitz befindet, gebaut. Unsere Kunden traf ich also beim Einkaufen im Supermarkt – da wollte ich mich nicht hinter einem Regal verstecken müssen», erklärt er. Kürzlich hat er das Unternehmen Rocchinotti Bau AG, das er in vierter Generation geführt hat, seinem Sohn übergeben, ist als Verwaltungsrat und Beirat ins zweite Glied getreten. Neben einzelnen Projekten, in denen er sich engagiert, ist er nun vermehrt als Berater für Bauherren tätig. «Ich zeige ihnen auf, welche Lösung welche Konsequenzen auf und gebe ihnen Empfehlungen», umreisst er sein Jobprofil. Und schon sprudelt es aus ihm heraus, erzählt er von Bauten und Produkten. Wenn Rocchinotti über das Bauen spricht, dann tut er es mit Leidenschaft.

Die noch stärker wird, wenn er auf seine Musik zu sprechen kommt. Schon als Primarschüler gründete Rocchinotti seine erste Band. «Der Name Top Secret war sehr passend für unseren Erfolg», lacht er heute. Das änderte sich kurz darauf mit der nächsten Band, die Erwähnung im den Medien fand und deren Musik von privaten Radiostationen gespielt wurde. Rocchinottis charismatische Stimme wurde dabei mit der von Neil Diamond verglichen. Der Bauprofi gab Interviews bis in den süddeutschen Raum und veröffentlichte die ersten Platten.

Noch grösser wurde der Erfolg, als er vom Rock auf Country umsattelte. Mit der Band Howdy hatte er sogar 1999 einen Auftritt in der Samstagabendshow «Top of Switzerland» und trat auf vielen grossen Bühnen auf. So spielten Howdy auf der Hauptbühne des Lauberhorn-Skirennens in Wengen und traten zweimal an der Landessausstellung Expo 02 auf. Im Jahr 2010 und 2011 sorgten Howdy am Donauinsel Festival in Wien für Stimmung.

«Wollte Freude behalten»

Ob es ihn nie gereizt hätte, ganz auf die Musik zu setzen, will die Berichterstatterin wissen. Nein, kommt es wie aus der Pistole geschossen. «Wenn man von der Musik leben möchte, muss man Kompromisse eingehen, was ich nicht wollte. Ich wollte die Freude an der Musik behalten. Zudem war es schön, in vierter Generation einen Familienbetrieb führen zu können», meint er.

Obwohl Howdy schöne Erfolge feierten, mochte Rocchinotti irgendwann nicht mehr. «Nach 25 gemeinsamen Jahren bekam ich Lust auf ganz neue musikalische Erfahrungen», erklärt er, «das ging nur mit neuen Leuten – auch wenn wir von Howdy nach wie vor sehr gut befreundet sind.»

Blues statt Country

In welche Richtung sollte es gehen? Rocchinotti liess sich Zeit. Urs Bader, ein Künstler und Freund, meinte irgendwann, seine markante Reibeisenstimme würde sehr gut zu Blues passen. Er brachte ihn mit einigen Leuten in Kontakt, und von da an entwickelte sich die Geschichte wie von selbst. Ein Label hatte Interesse an einer Album-Veröffentlichung. Im Studio Heimlicher Farm in Lommiswil kam er in Kontakt mit Klaus Bittner, einem begnadeten und daher sehr gut gebuchten deutschen Gitarristen, der schon auf allen grossen Bühnen in unserem Nachbarland gespielt hat. Rocchinotti zeigte ihm seine Songtexte – «wie andere Tagebuch schreiben, schreibe ich Songtexte», sagt er dazu. Bittner fühlte sich sofort inspiriert und begann, Melodien dazu zu komponieren. Der Baufachmann war begeistert, wie sehr die Melodien auf ihn und seine Stimme zugeschnitten waren. So konnte er sich zum 65. Geburtstag selbst mit dem hervorragend produzierten Album «Black Shadows in the Dark» beschenken. Als weiteres Geschenk gab es einen fulminanten Einstieg in die Schweizer Hitparade – eine Woche nach dem Release landete das Album schon auf Platz 21. Dank diesem Erfolg wurde es auch in die SRF-Playlist aufgenommen. Am meisten freue ihn aber, gesteht Rocchinotti, das Lob von Fachleuten.

Wie geht es weiter? Das lässt der Bauunternehmer auf sich zukommen.