Der Aktionsplan Wohnungsknappheit wirkt
Trotz Aktionsplan Wohnungsknappheit nehmen die Sorgen der Bevölkerung über knappen Wohnraum und steigende Mietzinse zu. Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt kann der Aktionsplan nicht lösen. Doch er ist ein Orientierungsrahmen, um die Probleme anzugehen.
Der UBS Sorgenbarometer stellte Anfang Dezember 2025 fest, dass «der Wohnungsmarkt mittlerweile zu den zentralen Alltagsproblemen der Bevölkerung» gehört. In mehreren Umfragen zu den wichtigsten politischen Problemen haben Wohnungsknappheit und -preise in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und figurieren nun in den vorderen Rängen.
Gleichzeitig jährt sich bald zum zweiten Mal der Aktionsplan Wohnungsknappheit, auf den sich Bund, Kantone, Städte und Gemeinden sowie Bau- und Immobilienwirtschaft und Zivilgesellschaft im Februar 2024 verständigt hatten. Eine Reihe von Massnahmen kommen der Baubranche zugute, vor allem jene, die zu effizienteren Planungs- und Bewilligungsverfahren führen sollen. Das Baugewerbe profitiert aber auch von klaren Interessensabwägungen bei der Siedlungsentwicklung nach innen und von einer Stärkung des preisgünstigen Wohnungsbaus.
Aber was hat der Aktionsplan bereits bewirkt? Wird mehr gebaut, wie es eines seiner Ziele ist? Nüchtern betrachtet nimmt die Anspannung weiterhin zu. Die Leerwohnungsziffer ist im Sommer 2025 auf 1,00 Prozent gefallen und alle Grossregionen verzeichnen rückläufige Leerstände. Die Bautätigkeit vermag die Wohnungsnachfrage weiterhin nicht zu decken.
Aber war es überhaupt realistisch zu glauben, dass der Aktionsplan innerhalb von wenigen Monaten eine Zunahme der Bautätigkeit würde auslösen können? Kaum – denn die empfohlenen Massnahmen zielen auf mittel- und langfristige Veränderungen ab. Selbst die Massnahmen an sich lassen sich nicht über Nacht umsetzen. Dies zeigte die erste Umfrage zum Umsetzungsstand nach einem Jahr, als lediglich eine Massnahme umgesetzt war. Inzwischen sind es fünf von 35.
Aber der Aktionsplan hat in den letzten zwei Jahren wesentlich dazu beigetragen, die Öffentlichkeit und die betroffenen Akteure für die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt zu sensibilisieren. Er ist nicht nur zu einem Referenzpunkt in der Debatte geworden, sondern seinen Zielen entsprechend auch zu einem Ausgangspunkt für Aktivitäten, nämlich die Rahmenbedingungen zu verbessern, damit mehr Wohnraum entsteht und vor allem genügend preisgünstige Wohnungen erstellt werden. Dabei sind alle Akteure gefordert, ihren Beitrag zu leisten. Der Aktionsplan ist so etwas wie eine Anleitung zur Zusammenarbeit, bei der alle gefordert sind.
Martin Tschirren, Direktor Bundesamt für Wohnungswesen