«Daten sind das Herz der Baustelle»
Bei der vierten Austragung der Swiss Dimensions wurde im Aussengelände unter anderem ein völlig autonomer Bagger gezeigt. In den Referaten ging es unter anderem um die Frage, wie Bauunternehmer ihre Effizienz steigern können.
Arbeitet der Baumaschinenführer bald im Homeoffice? An der Swiss Dimensions war zum ersten Mal in der Schweiz ein autonomer Bagger live zu sehen. Der von Partnern der MEB Group wie Sitech weiterentwickelte Kobelco-Bagger kann via Internet aus der Distanz oder, analog zu einem Kran, mit einer Funkfernsteuerung. Der Vorteil sei die verbesserte Sicherheit, betonte Markus Brun, CEO der MEB Group, die die Swiss Dimensions seit 2019 alle zwei Jahre organisiert. Relevant werde die Fernsteuerung etwa, wenn in einem Gefahrengebiet gearbeitet werde.
Dass die Digitalisierung die Arbeitssicherheit erhöhte, zeigte auch Liebherr, etwa mit der Möglichkeit, das Bedienen von Baumaschinen digital oder doch praxisnah zu erlernen, oder mit CIM, der Möglichkeit, Krane digital bei der Planung von Baustellen zu konfigurieren. So kann etwa der Kranarbeitsbereich visualisiert werden, die Suche nach der optimalen Kranpositionierung wird erleichtert und mögliche Fehler werden im Vorfeld erkannt.
Vom Büro auf die Baustelle
Wie kommuniziert das Büro mit der Baustelle in Echtzeit und ohne Missverständnisse? Davon handelte ein Vortrag von Matthias Eggimann Geomatiker EFZ bei Sitech und Dimitri von Arx, Geomatik- und Vertriebsingenieur bei Building Point. Dabei war das Thema, wie Baumeister ihre Effizienz steigern können. Beim Tiefbau empfahlen die Referenten, dass im Rahmen der Vorkalkulation zum Beispiel mit Vermessungsdrohnen Geländeaufnahmen gemacht werden. Das könne ein Polier oder Vorarbeiter vornehmen. Die Daten könne er via die Cloud direkt ins Büro schicken. Es sei nicht nur geschwinder, so zu verfahren, sondern biete auch den Vorteil, dass das Urgelände so dokumentiert sei, argumentierte Eggimann.
Sehr viel schneller, höhere Genauigkeit
Im Hochbau könnten die Bauführerinnen und Bauführer entweder selbst Modelle erstellen oder die Planerdaten anreichern, fuhren Eggimann und von Arx fort. Für Um- und Anbauten könnten sie Punktwolken aufnehmen und diese ins Büro schicken, dort könnten daraus Modelle und Vergleiche erstellt werden. Der Vorteil einer solchen Herangehensweise sei die grössere Geschwindigkeit bei notabene höherer Genauigkeit.
Die Aushubmodelle beziehungsweise Absteckpläne sollen gemäss Eggimann und von Arx per Datentransfer und via Cloud auf die Baustelle geschickt werden. Die Synchronisation dieser Daten erfolge auf der Baustelle personen- und zeitunabhängig. Der Vorteil dabei sei, dass alle immer den Zugriff auf aktuelle Daten haben.
Während es im Tiefbau eine Datenaufbereitung brauche, sei dies im Hochbau nicht der Fall. Für die Bestellung könnten die genauen Betonmengen erfasst und bestellt werden.
Das tönt alles vielversprechend, aber von Arx und Eggimann verhehlten nicht, dass der neue digitale Alltag auf der Baustelle noch nicht perfekt sei, es gebe nach wie vor Schnittstellen. Ärgerlich sei, dass jeder Hersteller einen eigenen Umgang damit habe, wie er mit den Schnittstellen verfahre. Hier wäre eine Standardisierung wünschenswert.
Cloudbasierter Datentransfer
Das Herz einer Baustelle ist nicht der Beton, sondern sind die Daten, kann man den Vortrag von Thomas Wirth, Leiter VDC/BIM Baumeister Deutschschweiz bei Implenia, zusammenfassen. Die Komplexität der Bauprojekte steige, es gebe immer mehr Beteiligte – und Datenquellen. Der Bedarf, in Echtzeit Zugriff auf aktuelle Pläne zu haben, steige. Allerdings sei es aktuell so, dass es eine Woche dauern könne, bis neue Pläne auf der Baustelle seien. Auf einer Cloudplattform passiere dies innerhalb einer Minute. Wirth räumte ein, dies könne die Planenden zu mehr Anpassungen verleiten. «Das ist nicht wünschenswert», sprach er Klartext. Implenia arbeite hauptsächlich mit Modellen und digital, allerdings erfolge der Datenflow mit vielen Programmen. Implenia habe vor allem den Bestellprozess optimieren wollen, und zwar mehrheitlich über die KI-Lösung «comstruct». Die Automatisierung des Datentransfer habe Implenia selbst vornehmen müssen, «wobei das eigentlich die grossen Hersteller machen müssten», wie Wirth süffisant bemerkte. Bestelllisten würden automatisch synchronisiert und direkt in comstruct übertragen, die Mengen werden den Modellen entnommen. Durch eine Reduktion von Medienbrüchen und Fehlerquellen und einer Integration von ERP-Systemen werde die Qualität erhöht. Für nachgelagerte Prozesse würden die Datenflüsse automatisiert.
Was macht man, wenn die Cloud-Plattform aussteigt, fragte Wirth. Es brauche auf jeden Fall auch auf der Baustelle ein Back-up und Synchronisationsprozesse. Zudem müssten die Leute wissen, wie die Daten aufgebaut sind, damit sie nicht irgendwo was ändert, das dann alle Daten manipuliert. Wichtig sei die Benutzung eines Planhauses, «aber eines, das auch für nicht so IT-affine Personen funktioniert.»