Montag, 04.05.2026

Chancen und Engpässe

Die Tunnelbaubranche blickt auf eine intensive Zukunft: Zahlreiche Grossprojekte stehen an. Branchenvertreter sagen, wo die grössten Herausforderungen liegen.

Daniel Spörri, Leiter Tunnelbau, Implenia Schweiz AG

In den nächsten 10 bis 20 Jahren erwarten wir nebst diversen kleinen und mittleren Projekten mehrere sehr grosse Infrastrukturprojekte. Einige davon, unter anderem die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels, haben bereits begonnen. Nun gilt es, die entsprechenden Ressourcen in der Schweiz wieder aufzubauen, also Fachleute zu entwickeln und das Know-how weiterzugeben. Implenia gehört zu den führenden Tunnelbauern in Europa und das macht uns interessant auch für Fachleute aus dem nahen Ausland.

Stefan Müller, Abteilungsleiter Unterbau, Frutiger AG

In den kommenden Jahren werden im Untertagbau zahlreiche Grossprojekte realisiert und die Tunnelbaubranche darf optimistisch in die Zukunft blicken. Die Herausforderungen liegen darin, dass wir genügend Mitarbeitende rekrutieren können, um das grosse Arbeitsvolumen auch zu bewältigen. Dabei gilt zu beachten, dass das Know-how von den erfahrenen Mitarbeitenden auf die Jungen übertragen werden kann. Obwohl der Verdienst im Untertagbau sehr gut ist, sind im Untertagbau im Verhältnis nur sehr wenige Schweizer tätig. Das bedeutet für die Unternehmungen, dass sie zwingend auf ausländische Mitarbeitende angewiesen sind. 

Christian Zimmermann, Leiter Untertagbau, Gasser Felstechnik AG

Tunnelbau bedeutet: Jeden Tag etwas Neues. Wir bewegen uns in Bereichen, in denen noch niemand zuvor war und das bringt unvorhersehbare Risiken mit sich. Diese können verheerende Auswirkungen auf Menschen, Maschinen und die Umgebung haben. Deshalb setzen wir konsequent auf Sicherheit und Erfahrung: sowohl im menschlichen Umgang auf der Baustelle als auch in der Anwendung modernster Technik und Maschinen.

Oliver Imboden, CEO, Ulrich Imboden AG

Im Untertagebau gibt es eine eher überschaubare Anzahl Anbieter. Bei grösseren Objekten schliesst man sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammen. Bei wechselnden Konstellationen spielen auch immer diverse Unternehmensrichtlinien eine Rolle. Zudem kämpfen wir oft mit mangelhaften Ausschreibungen, die in unnötigen Diskussionen enden. Es ist oft so, dass mit grossen Infrastrukturprojekten der Rechtsweg bestritten wird, weil die Bauherren kaum mehr Verantwortung übernehmen wollen oder können.