BIM: Bauteilkatalog Baumeister Hochbau
Die modellbasierte Arbeitsmethode stellt konkrete Anforderungen an die Leistungsbeschreibung und Kalkulation. Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) unterstützt seine Mitglieder dabei mit zwei neuen Werkzeugen: dem Bauteilkatalog Hochbau (BK-HB) und der ergänzenden Bauteilkalkulation.
Von der Planung zur Ausschreibung
Die Anwendung der BIM-Methode nimmt in der Praxis stetig zu. Ihr Einfluss beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die Planung, sondern betrifft zunehmend auch die Leistungsbeschreibung und damit die Kalkulation. Leistungen werden nicht mehr ausschliesslich nach dem NPK, sondern vermehrt als Bauteile beschrieben. Damit diese Beschreibungen für alle Vertragspartner eindeutig sind, braucht es verbindliche Regeln.
Fehlender Standard
Bislang existiert in der Praxis kein einheitlicher Standard. Verschiedene Bauherren haben eigene Verfahren eingeführt – mit problematischen Folgen für die Baumeister: nicht maschinenlesbare Leistungsverzeichnisse, unklare Leis¬tungsbeschreibungen mit übermässiger Risikoübertragung, Vollständigkeitsklauseln sowie uneinheitliche Strukturen, die den Kalkulationsaufwand erheblich erhöhen.
Ein Standard für die bauteilbasierte Ausschreibung ist deshalb zwingend notwendig. Er kann nicht einseitig festgelegt werden, sondern muss das Ergebnis eines mehrjährigen, iterativen Prozesses zwischen Praxis und Entwicklern sein. Mit dem BK-HB stellt der SBV einen Prototyp zur Verfügung, der laufend in Abstimmung mit Bauen Digital Schweiz und CRB weiterentwickelt wird. Die Werkzeuge sind vorerst auf Deutsch verfügbar. Die französische und italienische Übersetzung folgen zu einem späteren Zeitpunkt.
30 Bauteile
Der BK-HB umfasst aktuell rund 30 Bauteile. Zentrale Elemente wie Bodenplatten, Wände, Stützen, Treppen oder Decken werden über geschlossene Positionen beschrieben. Hier sind die Attributwerte vordefiniert, was eine automatisierte Kalkulation ermöglicht und fehlerhafte Ausschreibungen verhindert. Offene Positionen werden angewendet, wenn eine detaillierte Attribut-Spezifikation zu komplex ist – insbesondere bei produktbezogenen und vorfabrizierten Bauteilen. Sie sind rechtssicher, wenn beispielsweise die Herstellerangaben unverändert übernommen werden.
Praxistaugliches Regelwerk
Um den Leistungsumfang pro Bauteil eindeutig festzulegen, braucht es klare Modellierungs-, Vergütungs- und Ausmassregeln. Naheliegend wäre die Anwendung bestehender SIA-Normen wie der SIA 118/262 „Allgemeine Bedingungen für Betonbauten“. In der Praxis zeigte sich jedoch rasch, dass diese für die bauteilbasierte Modellierung ungeeignet sind – sowohl bei der Abgrenzung von inbegriffenen und nicht inbegriffenen Leistungen als auch bei den Ausmassregeln. Deshalb wurde für den BK-HB ein eigenes, einfaches Regelwerk entwickelt, das die Rechtssicherheit für Leistungsverzeichnisse gewährleistet.
Bauteilkalkulation
Die Bauteilkalkulation ermöglicht die Preisbildung pro Einheit für komplette Bauteile – etwa pro Quadratmeter Decke, Kubikmeter Stütze oder Treppe. Voraussetzung ist, dass sämtliche kostenrelevanten Attribute bekannt sind.
Am Beispiel einer Ortbeton-Deckenplatte gehören dazu etwa Spriesshöhe, Dicke, Schalungstyp, Bewehrungsgehalt, Betonsorte, Oberfläche und Gefälle. Die Kombination der einzelnen Attributwerte erzeugt eine Vielzahl an Varianten, die nur durch eine automatisierte Kalkulation effizient abgebildet werden können.
Die Kalkulationslogik bleibt vertraut: Nach wie vor führen einzelne Teilleistungen mit Leistungswerten zum Einheitspreis für ein Bauteil. Neu ist, dass die Teilleistungen an projektspezifische Bedingungen geknüpft sind. Bei einer Deckenplatte bedeutet das beispielsweise: unterschiedliche Dicken führen automatisch zu variierenden Leistungswerten für das Betonieren.
Eine weitere Neuerung ist die automatisierte Ermittlung von Teilmengen. So wird beispielsweise die Menge für Abschalungen (m’) auf die Deckenfläche (m2) umgerechnet.
Die Methode sorgt für mehr Transparenz bei kostenrelevanten Kalkulationsgrössen wie Leistungswerten und Materialpreisen, erleichtert die Pflege und Aktualisierung der Daten und bietet zusätzliche Vorteile für die Bauführung, etwa in der Arbeitsvorbereitung oder im Controlling.
Kalkulations-Tool
Zur Einführung stellt der SBV ein Excel-Tool bereit, das die Methode veranschaulicht. Zukünftig könnten sie in gängige Bausoftwareprodukte integriert werden und auch den Datenaustausch sicherstellen. Dazu arbeitet der SBV eng mit den Softwareherstellern zusammen.
Wer sich näher für die Thematik interessiert, kann die Dokumentation Bauteilkatalog kostenlos herunterladen. Mitglieder erhalten zusätzlich kostenlos Zugriff auf die Dokumentation Bauteilkalkulation sowie auf das dazugehörige Excel-Tool.
Die Entwicklung des Bauteilkatalogs erfolgt in Abstimmung mit Bauen Digital Schweiz.