Allianz im Dienst einer grossen Bahnbaustelle
Bis 2023 erhält die Strecke Illnau–Wetzikon (ZH) ein neues Gesicht: Verlängerung der Perrons, Anpassungen für längere Züge und Bereitstellung eines Kreuzungsgleises. Um die Herausforderungen für den Bahnverkehr zu bewältigen, stützt sich das Projekt auf ein Allianzmodell.
Der Bahnkorridor Illnau–Wetzikon steht vor grossen Veränderungen. Das Projekt zielt darauf ab, die Bahninfrastruktur im Betriebsgebiet der Zürcher S-Bahn im Korridor Fehraltorf–Wetzikon bis 2032 zu erweitern, um den gestiegenen Anforderungen im Personen- und Güterverkehr gerecht zu werden.
Fünf an der Linie 753 gelegene Bahnhöfe sind von den Arbeiten betroffen: Illnau, Fehraltorf, Pfäffikon (ZH), Kempten und Wetzikon. Das Projekt beinhaltet insbesondere die Verlängerung der Perrons für 300 Meter lange Züge sowie die Bereitstellung eines Kreuzungsgleises für 400 m lange Güterzüge in Kempten. Die bestehenden Bahnzugänge werden gemäss dem Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) ausgebildet.
Die Arbeiten beinhalten auch Anpassungen an den Gleisen, an den Bahnübergängen, an der Fahrleitung, an den Signalen und an den Kabelanlagen. Bestehende Stellwerkanlagen werden teilweise durch einen Neubau ersetzt. Als besondere logistische Herausforderung werden alle Bauarbeiten unter laufendem Bahnbetrieb ausgeführt.
Für eine erfolgreiche Bewältigung der Arbeiten haben sich die Projektpartner – SBB, Wbi AG, Jak. Scheifele AG und Müller Gleisbau AG – für das Modell der Projektallianz entschieden. Dieser Ansatz basiert auf gleichberechtigter Zusammenarbeit, Risikoteilung und gemeinsamer Governance. Er bricht mit der traditionellen Logik einer strikten Aufgabenverteilung.
«Dank dieser Allianz können wir unsere Energie auf die Suche nach gemeinsamen innovativen Lösungen konzentrieren», betont Thomas Bächle, Mitglied der Geschäftsleitung und Bauunternehmer bei Jak. Scheifele AG. «Jede Entscheidung wird im Interesse des Gesamtergebnisses nach dem Prinzip des Best for Project getroffen.»
Das zwischen den Partnern aufgebaute Vertrauen geht auf die Ausschreibungsphase zurück, in der mehrere Gesprächsrunden zu Organisation, Prozessen, Kultur der Partnerschaft und Vertragsmechanismen stattfanden. Den Grundstein für diese Zusammenarbeit legten kulturelle Workshops, die Ausarbeitung eines gemeinsamen Wertekodexes und eine offene Kommunikation.
Für Marco Fetz, Leiter Einkauf Bauprojekte bei Infrastruktur SBB, hat diese Methode auch menschliche und branchenspezifische Vorteile: «Die frühzeitige Einbindung der ausführenden Unternehmen stärkt die Motivation der Teams und macht die Branche gerade für junge Talente attraktiver.»
Finanziell und zeitlich setzt das Allianzmodell mit dem «Open Book»-Prinzip auf absolute Kostentransparenz. Die Akteure bestimmen die Kosten, Fristen und Risiken gemeinsam und reduzieren so Planungsfehler und spätere Forderungen, die bei herkömmlichen Projekten oft zu Spannungen führen.
Das Projekt befindet sich noch in der Implementierungsphase. Deshalb liegen noch keine konkreten Ergebnisse bezüglich Innovation oder Nachhaltigkeit vor. Nach Auffassung der Initianten soll die Allianz allerdings nicht alle herkömmlichen Modelle ersetzen. Sie ist als zielgerichtetes Instrument gedacht, das bei komplexen und anspruchsvollen Projekten dank geteilter Verantwortung das Risikomanagement und die Ausführungsqualität verbessern kann.
Was ist Pro-Allianz?
Der Verein Pro-Allianz fördert das neue Projektabwicklungsmodell der Projektallianz gemäss SIA-Merkblatt 2065. Er vereint Bauherren, Planer und Unternehmer in einer partnerschaftlichen Organisation, die gemeinsame Entscheidungen, Risikoteilung und die Durchführung von Bauprojekten im Kollektiv fördert. Träger des Vereins sind der SBV, der SIA und suisse.ing.